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Kong: King of Atlantis


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Kong: King of AtlantisReview vom 29.04.2006

„Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker“. Dieser Spruch dürfte wohl jedem bekannt sein, der mindestens ab und zu Fernsehen schaut. Bei Medikamenten wird dadurch auf eventuell unerwünschte Auswirkungen in Folge der Einnahme hingewiesen, in anderen, für uns Gamer ebenfalls sehr wichtigen Bereichen, nämlich eben diesen Video- und Computerspielen, gibt es diesen objektiven Service leider, teilweise aber auch verständlicherweise, nicht bzw. nur eingeschränkt. Die nächsten Zeilen sollen eben diese Lücke füllen und beschäftigen sich mit einem Spiel, welches eine Risikowarnung mehr als viele andere dringend benötigt. Der Riesenaffe holt zum Rundumschlag aus und vernichtet sich dabei aber leider selbst. Warum erfahrt ihn in unserem Test zu „Kong: King of Atlantis“.Vor ein paar Monaten präsentierten wir euch die beiden Filmumsetzungen „Peter Jacksons King Kong“ für Nintendo DS und GameBoy Advance. Nur die GBA Version wusste damals zu überzeugen; das Spiel für den Doppelbildschirmer enttäuschte maßlos. Einige Monate nach der Wiedergeburt des Riesenaffen schickt sich nun der nächste Titel an, das affigste Game zu werden. Da offensichtlich nicht die originale Lizenz vorhanden ist, bedienten sich die Namensgeber einem kleinen Trick, der Titel wird umgedreht und so wird aus King Kong, „Kong: King of Atlantis“. Da nun sofort jedem klar sein sollte, um was es geht, ist ein Fehlkauf doch beinahe auszuschließen. So denken sicherlich viele und fallen am Ende bitter auf die Nase. Den gewöhnlichen Spannungsbogen eines normalen Tests lassen wir an dieser Stelle außen vor. Es sei gleich gesagt, der gute Kong ist in diesem Fall ein Hirsch ohne Geweih oder ein Weißer Hai ohne Gebiss; das entscheidende fehlt, nämlich der Spaß, die Motivation und generell alle Aspekte einer Software, welche diese spielenswert machen.

Genug der Vorschußlorbeeren, auf geht’s ins Spiel. Das Öffnen einer Spielverpackung ist immer ein besonderer Moment. Ist die Schutzfolie entfernt, breitet sich jedes Mal der angenehme „Neuwagengeruch“ im Raum aus und erfüllt den Spieler mit Freude. Das war auch hier so und somit wurde schon in den ersten Sekunden der Spaßpegel auf sein endgültiges Maximum gehoben. Ein sympathisch aussehender Riesenprimat mit einer aufgesetzt negativen und böse dreinschauenden Miene springt einen an. An dieser Stelle gewinnt Kong den Award für das schlechteste und langweiligste Cover 2006, doch weitere Auszeichnungen werden folgen. Die grau-blaue Farbgebung wirkt schon jetzt leicht einschläfernd und auch die lieblose, aber immerhin bunte Bedienungsanleitung trägt dazu bei. Sie enthält die fünf Sprachen Französisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch und Holländisch. (Anmerkung: Dieses tatsächliche „Geschwalle“ dient dazu, das kommende Grauen hinauszuzögern).

Welche interessante Geschichte dürfen wir diesmal erleben und in welche Intrigen werden wir verstrickt? Es fängt spannend an: Die böse und hinterhältige Königin „Reptilla“ versucht Kong für ihren Willen gefügig zu machen, um mit dessen Hilfe und Fähigkeiten die sich gegenseitig bekämpfenden Clans von Atlantis zu einen. In der Rolle von Jason und Lua muss unser geblendeter Freund überzeugt werden nicht auf die Pläne und Forderungen, die ihm von der dunklen bzw. grünen Seite der Macht gestellt werden, einzugehen. Klingt spannend, überhaupt nicht an den Haaren herbei gezogen und absolut fesselnd, oder? Beschäftigen wir uns, bevor es direkt in die Action oder besser gesagt Handlung geht, erst einmal mit den drei, nacheinander und abwechselnd steuerbaren Charakteren und deren Hintergründen. Jason ist von seinen Eigenschaften her der coole, alles durchschauende und charmante Weiberheld, wie er in keinem Film oder Spiel fehlen darf. Bereits in seinem jungen Alter ist er überaus intelligent und dazu bereit alles für seine Freunde zu tun. Seine Spezialfähigkeiten im Bereich Computer werden im Storyzusammenhang noch eine Rolle spielen. Spätestens seit Dr. Moureau wissen wir, dass jede Insel, so versteckt sie auch sein mag, einen mehr oder weniger verrückten Wissenschaftler beherbergt. In unserem Fall ist es Dr. Jenkins. Er kümmerte sich gemeinsam mit den anderen Inselbewohnern um das Eingeborenen-Mädchen Lua, die schon früh ihre Eltern verlor. Aufgrund ihrer Abstammung hat sie außergewöhnliche Fähigkeiten. Unser tragischer Held Kong ist der große, Titel gebende Affe. Soweit nichts Neues, doch nun aufgepasst: Er ist das tierische Pendant zu Jason, der ihn aufgrund seiner enormen Willenskraft und irgendwelcher technischen Gadgets unter Kontrolle halten kann. Logisch, oder?

Das Startmenü taucht auf und folgende Auswahlmöglichkeiten stehen dem Spieler zur Verfügung: New Game, Password (genau, es gibt keinen Batteriespeicher, was absolut nicht zu rechtfertigen ist, aber den rundum schlechten Gesamteindruck komplettiert), Credits (um festzustellen, wer dieses Spiel verbrochen hat, wobei die Entwickler lieber hätten anonym bleiben sollen) und Options. Hier können die normalen Soundeinstellungen vorgenommen, sowie die Helligkeit erhellt bzw. abgedunkelt werden. Das war´s auch schon; und wo sind die Sprachen? Eine gute Frage, die leicht beantwortet ist. Es gibt keine außer Englisch. Einzig die Gebrauchsanleitung ist in unterschiedlichen Sprachen vorhanden, das Spiel aber ausschließlich in Englisch. Jetzt kann man natürlich gegen argumentieren und sagen, die Texte wären nicht schwer zu verstehen und generell vernachlässigbar. Dennoch sollte eine Textlokalisation genauso wie ein Batteriespeicher heutzutage Pflicht und Standart sein. An dieser Stelle Award Nummer zwei für die liebloseste Anpassung 2006 – doch das Jahr ist noch jung.

Wir starten also ein neues Spiel und dürfen in Form einer Laufschrift die Geschichte des Games noch einmal miterleben – immer noch sehr interessant…, dann geht es auch schon los. „Kong: King of Atlantis“ ist grundsätzlich ein stink normales Jump´n Run mit einigen Kampfsequenzen. Die Bildschirmanzeige beschränkt sich auf ein Minimum und zeigt lediglich die Anzahl der verbleibenden Leben und die restliche Energie in Form eines von grün zu rot werdenden Balkens. Der Spielverlauf ist sehr linear. Ihr lauft von links nach rechts, müsst teilweise einige Hüpfsequenzen meistern, Vorsprünge erklimmen oder mit dem richtigen Timing von einer zur anderen fahrenden Gondel springen ohne dabei aber großartig Alternativrouten wählen zu können. Rätsel gibt es kaum; an einigen Stellen muss ein passender Gegenstand (richtig, ein Schlüssel) gefunden werden um eine weitere Passage zu betreten. Unterwegs erwarten den Spieler einige Feinde wie Echsenkrieger, „Schwabbelmonster“ aus der Erde, fliegende Insekten oder einfach nur Mutter Natur, wenn sie Steinbrocken aus dem Boden schleudert. Diese Gegner müssen besiegt werden um an bestimmten stellen im Spiel voran zu kommen. Manchmal wird man sogar von Gegnern umzingelt und muss sich durch Feindeshorden prügeln. Meistens genügen wenige Schläge um die Feinde ins virtuelle Jenseits zu befördern. Apropos Jenseits: Recht früh stellt sich heraus, dass das Spiel sehr unausgewogen ist, vor allem im Schwierigkeitsgrad und in der Lernkurve. Letztere existiert nämlich praktisch nicht. Das Problem hier ist vielfältig. Teilweise sind Abschnitte sehr schwer – mit zu vielen Gegnern versehen – wodurch ungeduldige Spieler einfach zu leicht sterben; gleichzeitig gibt es aber auch keine Rücksetzpunkte innerhalb der Level, aufgrund des fehlenden Batteriespeichers und absolut schlecht verteilter Energiepacks. Die fünf Leben zu Beginn sind schnell verbraucht und es kann nicht die Absicht des Spiels sein, schon nach oder während des ersten Levels Wut und Hass im Spieler zu erzeugen. Später gibt es allerdings wieder Passagen, die zu einfach geworden sind; Gegner können hier schon durch kleines Anstupsen besiegt werden. Die Abschnitte unseres Freundes Kong unterscheiden sich gameplaytechnisch kaum von den eben genannten. Bis auf die Tatsache, dass man im Weg stehende Bäume ausreißen kann, gibt es hier ebenfalls dieselbe Kost. Selbst die King Kong Abschnitte aus „Peter Jacksons King Kong“, welche einen noch viel niedrigeren Anspruch hatten als hier, machten damals wesentlich mehr Spaß. Die ab und zu eingestreuten, sich vom normalen 08/15 Gameplay unterscheidenden Sequenzen können das versinkende Schiff auch nicht mehr retten.

Steuerung:
Die Kontrolle der Spielfiguren geht wie folgt von statten: Das Steuerkreuz dient der Bewegung in die jeweils vorgegebene Richtung, wobei der Charakter beim Druck nach oben in den Himmel blickt und Leitern hinaufklettert. Drückt man hingegen nach unten, so kriechen die Akteure auf dem Boden. Jede Figur besitzt einige Spezielangriffe bzw. Moves, die über Tastenkombinationen ausgelöst werden können. Mit „A“ werden Schläge und Tritte, mit „B“ Sprünge vollführt. Die Steuerung im Spiel gestaltet sich grundsätzlich gut; bei den vielen Jump n´Run Sequenzen ist sie teilweise zwar etwas ungenau, sonst lassen sich aber alle Charaktere gut kontrollieren.

Grafik:
Optisch ist das Spiel durchschnittlich, wobei es sich hier auch an der untersten Grenze bewegt. Teilweise gibt es ganz nette Abschnittchen, wobei andernorts auch der Eindruck eines GameBoy Color Spiels erweckt wird. Die Hintergründe sind an einigen Stellen ganz nett, an anderen Stellen absolut lächerlich gestaltet. Die Charaktermodelle schwanken ebenfalls in ihrer Qualität. Während Jason, Lua und die Gegner noch ganz akzeptabel aussehen, wirkt Kong, vor allem in Bewegung, wie ein zusammengedrücktes, stocksteifes Etwas. Die holprigen Animationen, welche durch mehr Animationsphasen sicherlich besser hätten dargestellt werden können, lassen ebenfalls nicht viel Atmosphäre aufkommen. Die Level sind im Gesamtkontext gesehen zwar abwechslungsreich, es gibt beispielsweise Wiesengebiete, Steinwüsten oder Innenräume wie die des Schlosses, für sich genommen wirken sie aber sehr monoton. Details wo seid ihr?

Sound:
Hier muss man nicht viel sagen: Der Sound oder besser gesagt die Musik macht einen annehmbaren bis guten Eindruck. Ganz sicher ist er aber ein Plus dieses Spiels. Die Soundeffekte sind zwar immer noch unterirdisch, vor allem die Schreie oder Schläge der verschiedenen Protagonisten, dafür passen die Melodien mehr oder weniger. Nerven können sie nach einiger Zeit aber dennoch. Für das generell niedrige Niveau ist er aber dennoch in Ordnung.

Features:
Tja, wo nichts ist… Keine deutsche Sprache im Spiel, kein Batteriespeicher, kein Multiplayer, keine wirklichen Abwechslungen im Gameplay, dafür aber eine hässliche, aber bunte Gebrauchsanleitung, die dem Spiel in Kombination mit den verschiedenen Charakteren und den zwei Spielweisen (Kong - Mensch), welche sich zwar nur minimal bis gar nicht unterscheiden, zu den vier, fast obligatorischen Quotenpunkten im Bereich Features verhelfen.

Fazit:
„Kong: King of Atlantis“ hat in seiner momentan vorliegenden Form leider nichts an sich, was einen Kauf rechtfertigen oder lohnen würde. Grundsätzlich hätten die Entwickler eine Menge aus der Idee und dem angelegten Konzept herausholen können; die Umsetzung zeigt allerdings keinerlei gelungene Gameplaydetails. Die Story und Präsentation sind langweilig, die Spielmechanik monoton und unausgewogen. Es kommt leider absolut kein Spaß auf, die fehlende Eindeutschung und das auf Passwörtern basierte Speichersystem erübrigen den Rest. Wer von seiner Videospielsucht runterkommen möchte, sollte einen Blick riskieren, nach diesem Game vergeht einem die Lust an der Materie. Selbst für nur 20€ nicht zu empfehlen – Schade! „Peter Jacksons King Kong“ ist in jedem Fall die bessere und vor allem empfehlenswerte Alternative.



Marcus von Lüde (ProContraGamer) für Planet-Gameboy.de



Vielen Dank an Majesco Entertainment für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

WERTUNG:
37%
Finger weg von diesem Spiel. Fans greifen zum Lizenztitel. Zu diesem Spiel: Preischeck
Preischeck
Tipps und Tricks
Komplettlösung
Videos
  Steuerung In Hüpfpassagen ungenau, sonst OK.
  Features Was soll man dazu sagen? Hier fehlt einiges…
  Grafik Unterer Durchschnitt, recht monoton und detailarm.
  Sound Die Musik ist OK, die Effekte sind es nicht.
  Spielspaß Meist langweiliges und unausgewogenes Spiel.







Details
Spielname:
Kong: King of Atlantis

Publisher:
Majesco

Genre:
Action Jump-N-Run

Release:
.. (erschienen)

Multiplayer:
nein

Screenshots:

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