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The Legend of Zelda: Minish Cap


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The Legend of Zelda: Minish CapReview vom 19.11.2004

Endlich! Ein exklusiver Zelda-Teil für GBA! Unter der bewährten Federführung von Capcom entstand The Minish Cap. Von Zelda-Puristen wegen vermeintlich kindischer Ansätze mehr als kritisch beäugt, könnte sich unser Review zu einem Überraschungsverriss erster Güte entwickeln - oder zu einem Überraschungserfolg. Lest selbst...Was treibt Nintendo nur dazu, mit den Ankündigungen neuer Zelda-Games als erstes die meisten Fans dieser Serie fast zu Tode zu erschrecken? Als Capcom und Nintendo The Minish Cap ankündigten und gleich noch ein paar Screenshots von Link in einer putzigen Zwergenwelt mit knuffigen Raupen und Käferchen nachlegten, war das Geschrei in der Nintendo-Gemeinde fast so groß wie vor der Veröffentlichung des celgeshadigten Gamecube-Titels. Nur hieß es diesmal statt "Der wackere Recke Link in Trickfilmgrafik?" eher: "Zelda mit Wischiwaschi-Marioathmo?" - und nicht zu Unrecht, schließlich schlägt sich der grünbemützte Schwertschwinger diesmal mit den gartenzwergigen Minish herum. Wer allerdings (wie ich) dachte, dabei geht die klassische Zelda-Atmosphäre flöten, hat aufs falsche Pferd gesetzt. Daher ist es eine Ironie des Schicksals, dass ich den neuen Zelda-Kracher in diesem Review bei aller Objektivität in den höchsten Tönen loben und preisen muss.

Alles beginnt damit, dass Link (wie im Cube-Teil ein anderer Link, der, wie es der Zufall will, genauso heißt, genauso aussieht und in einem Land lebt, das auch den Namen Hyrule trägt und eine Prinzessin Zelda hat... ihr wisst schon), mit der lieben Prinzessin am Ende eines Schwertkampfturnieres dem Sieger Vaati ein teures Schwert überreichen soll. Es kommt aber anders - der bitterböse Vaati (der übrigens die Lache des Maskenhändlers aus Majora's Mask besitzt, liebe Zelda-Veteranen) öffnet die Truhe der Minish, des freundlichen Zwergenvölkchens, entlässt damit unzählige Monster in die Freiheit und verwandelt Zelda in einen seelenlosen Steinblock. Links Aufgabe ist es, Vaati zu stoppen. Auf seiner Odyssee findet er die lustige Entenmütze Ezelo, die Link auf Zwergengestalt schrumpfen lassen kann, was ihm die Möglichkeit bietet, die Welt der Gnome zu erforschen.
Die Story ist, wenn überhaupt, dann nur einen Tick schlechter als die vergleichbarer Oldschool-Zeldas, doch was hier immer schon gezählt hat, waren die "zwischenmenschlichen" Kontakte und das Gameplay zwischen und in den Dungeons. Und hier kann Capcom auf eine Weise punkten, die in Originalität den Nintendo-eigenen Zeldatiteln in nichts nachsteht. Waren Oracle of Seasons/Ages hübsche Aufgüsse der Link's Awakening-Engine und angenehme Reminiszenzen an die Zelda-Manie, wirkt The Minish Cap hier schon eigenständiger und - man mag es nicht glauben - erwachsener!

Denn das wichtigste Element aller Zelda-Games, das Spielgefühl nämlich, wurde nicht nur täuschend echt reproduziert, sondern um einige Faktoren erweitert, die aufzuzählen den Umfang dieses Reviews sprengen würde. Ich beschränke mich daher auf ein paar repräsentative Beispiele.
Die Minish Cap selbst addiert dem Gameplay einige witzige Faktoren hinzu. Wenn man auch meinen könnte, die Idee der kleinen Leutchen, die ungesehen in der Welt der Menschen leben, lockten seit dem Film mit den lustigen kleinen Borgern keinen Hund mehr hinterm Ofen vor, macht Capcom uns ziemlich bald klar, wieviel man aus diesem Konzept noch herausholen kann. Was vormals läppische Pfützen waren, wird für den Mini-Link zu riesenhaften Meeren, ein eigentlich niedliches Kätzlein mutiert zur grausamen Tötungsmaschine, ein paar Babylatschen zur unüberwindlichen Barriere... solche Erfahrungen am eigenen Leib zu machen, macht das Spiel fast schon spirituell ansprechend. Natürlich lebt so das Gameplay vorrangig von der Schrumpf-Option. So muss man im geschrumpften Zustand durch kleine Ritzen kriechen, um Dinge zu erledigen, die man in normaler Größe nicht geschafft hatte, und diese Möglichkeit treibt Capcom oft genug auf die komplizierten Höhen, die die klassischsten Zelda-Rätsel der Geschichte ausmachen. Doch auch diejenigen Aufgaben, die ohne die Notwendigkeit des Schrumpfens auskommen, reichen in punkto Inspiration und Originalität locker an die Nintendo-Vorgänger heran.

Gerade die neuen Items zeigen, wie es Capcom geschafft hat, die würdige Zelda-Tradition mit spielerisch geschickten neuen Einfällen zu erweitern, ohne sich zu verkünsteln. Der "Magische Krug" beispielsweise wirkt wie ein Staubsauger, kann also Gegner ansaugen und wieder ausspucken, um damit zum Beispiel andere Bösewichter abzuschießen - oder man benutzt den Krug einfach als Rückstoßturbine, wenn man auf einem Seerosenblatt über die Untiefen der heimischen Pfützchen tuckert. Der "Wirbelstab" stellt die Welt auf den Kopf - ob man nun Krüge umschmeißt, umgekippte Minenwagen (die übrigens mit einer abartigen Geschwindigkeit durch die Gänge des zweiten Dungeons rasen) aufstellt oder aus früheren Löchern eine Art Sprungbrett macht. So gelingt es Capcom, das Welt-Erkunden mit neuen Items so spaßig zu machen, wie man es von Zelda gewohnt ist, eben deshalb, weil diese Hilfsgegenstände noch niemals in den Spielen vorgekommen sind, sich aber mühelos ins Zelda-Schema einpassen.

Grafisch ist Minish Cap auf dem GBA ein echtes Erlebnis. Vorgerenderte Augenwischerei wie in Golden Sun hat das Spiel gar nicht nötig; viel wirkungsvoller sind die liebevoll gezeichneten Welten. Hier ist vor allem wieder die mikroskopische Welt der Minish zu erwähnen - die Häuser der Liliputaner wirken wie ein früher, noch sehr inspirierter Miyamoto. Die Minish verstehen es nämlich, gewöhnliche Alltagsgegenstände in Möbel umzufunktionieren, und zwar jeder auf seine Weise und mit dem, was er gerade zur Hand hat. Fast jedes Minish-Haus hat einen eigenen Stil - einer benutzt gerne gewöhnliche Knöpfe zur Raumgestaltung, andere begnügen sich mit den (natürlich übergroßen) Früchten des Waldes, und so weiter. Wer hier wieder schreit: "Iiih, Knuddelgrafik!", den kann ich beruhigen: denn in der "wirklichen Welt", in der es sehr viel weniger knuddelig zugeht, gibt es auch einige Stellen, die einem gestandenen GBA-Zocker den Atem stocken lassen. Als Beispiel sei hier das fünfte Dungeon genannt, eine Festung über den Wolken, bei der (in der gewohnten Draufsicht) unter unserem Helden in mehreren Ebenen Wolken, Meere und der Hyrule-Kontinent ruhig vorbeiziehen. Der Lavanebel im Vulkan-Verlies und der Regen auf dem Berg (dessen Tropfen sich, in kleiner Link-Gestalt, als todbringende Riesenkugeln entpuppen), sind andere sehr gelungene Referenzbeispiele für die handwerklich mehr als überzeugende Leistung der Entwickler.

Was unleugbar ein dreifaches Hoch wert ist, ist die wirklich atemberaubende Spielmusik. Wie ihr vielleicht wisst, bin ich in der Sound-Wertung sehr gern etwas kritischer, aber hier kann man wirklich beim besten Willen nicht meckern. Was dem Spieler bei Minish Cap an orchestralen Ohrwürmern geboten wird, gehört ohne Zweifel zur Crème de la Crème auf dem GBA. Seien es die bombastischen Pauken und Bläsersätze bei der Besteigung des gefährlichen Berges, die verschrobene orientalische Musik in den Sümpfen, die unheimlichen Dungeon-Mucken oder auch nur die altbekannte Dorfmusike in einer erfrischenden, neu arrangierten Version - ich empfehle dringend, Minish Cap über Stereokopfhörer zu hören, erst dann kommt dieses musikalische Meisterwerk und die Atmosphäre (!!) des Spieles so richtig zur Geltung.

Der einzige Wermutstropfen bei Minish Cap ist wohl die Spieldauer. Das Game ist einfach viel zu schnell vorbei. Trotz vermehrter Aktionen in den Außengebieten ist die Welt mit ihren sechs Dungeons bei einem motivierten Spieler (und motivieren tut Minish Cap, aber wie!) in nullkommanichts geschafft. Hier fordert die verschwenderische Grafik- und Musikpracht wohl doch ihren Zoll. Leider reicht Minish Cap im Umfang also nicht an vergleichbare Games der Serie heran. Die Entwickler wussten das wohl ganz genau und spendierten dem Spiel einige Features, die den Dauerspaß doch noch etwas hochschrauben können. Das wichtigste ist wohl das "Fragment-Vereinen". Im ganzen Land werdet ihr Menschen, Tiere und sonstige Gestalten treffen, die ihr mit einem Druck der L-Taste dazu veranlassen könnt. Diese Wesen besitzen eine Hälfte einer zerbrochenen Medaille - wenn ihr das passende Teil dazu besitzt, passiert in Hyrule etwas "Wunderbares". Es öffnen sich geheime Türen, neue Schwertmeister erscheinen, die euch Kampftechniken beibringen, Menschen haben spontan Eingebungen, neue Bücher zu schreiben oder Wände zu zerschlagen, und so weiter. Die Ergebnisse der Fragment-Vereinigungen werden fein säuberlich in der Karte verzeichnet, sodass ihr sie eins nach dem anderen abklappern könnt. Natürlich bedeutet das einiges mehr an Lauferei, ist aber durchaus befriedigend und, was wohl wichtiger ist, streckt die Spielzeit doch noch ein bisschen.

Die deutsche Übersetzung ist durchaus akzeptabel ausgefallen, obwohl die Übersetzer wohl nicht so bewandert in Zelda-Geschichte waren, da so einige der Anspielungen, die die Capcom-Jungs auf vergangene Teile der Serie machen, untergehen. Zum Beispiel hat der aus Link's Awakening bekannte SimCity-"Professor" Dr Wright einen Gastauftritt, und heißt in der englischen Version sinnigerweise "Dr Left", während ihm in der deutschen Version irgendein alberner Name gegeben wurde. Doch echte Zelda-Veteranen wissen auch hier, wer gemeint ist.

Fazit:
Endlich mal wieder ein Spiel, bei dem PlanetGameboy.de eindeutig nur Kaufen empfehlen kann. Mit seinem Witz, seinem Charme, seiner Atmosphäre und dem einmaligen Gameplay reiht sich Minish Cap reibungslos in die Riege erfolgreicher Zelda-Titel ein - und hat so viel drauf, dass es für vier bis fünf uninspirierte Lizenzgames gereicht hätte, sie über die Achtzigerwertung zu bringen. Bei soviel geballtem Ideenreichtum verzeiht man gerne die vergleichsweise geringere Durchspielzeit. The Minish Cap ist auf alle Fälle sein Geld wert und für zukünftige Zelda-Ableger auf Handhelds beispielgebend.



Christian Luscher für PlanetGameboy.de

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung des Testmusters.

WERTUNG:
92%
Beispielhaftes Hosentaschenabenteuer. Kaufen! Zu diesem Spiel: Preischeck
Preischeck
Tipps und Tricks
Komplettlösung
Videos
  Steuerung Bewährt und weitestgehend reibungslos
  Features Fragment-Vereinen, Sammelfigürchen etc...
  Grafik Prächtiges, originelles Design
  Sound Atmosphärische Orchestralklänge
  Spielspaß Klassischer Zeldaspaß auf neuen Höhen







Details
Spielname:
The Legend of Zelda: Minish Cap

Publisher:
Nintendo

Genre:
Adventure

Release:
.. (erschienen)

Multiplayer:
Nein

Screenshots:

ScreenViewer öffnen (8)

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