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Sword of Mana


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Sword of ManaReview vom 06.04.2004

Ist der Hype gerechtfertigt? Ist Sword of Mana die Action-Adventure-Antwort auf Golden Sun? Oder verbirgt sich hinter dem großen Namen nur ein schwacher Abklatsch? Im großen Planetgameboy.de Test haben wir für euch in den Rachen von Ungeheuern geschaut, hübsche Jungfrauen gerettet und jede Menge gesehen. Und wer eine Reise macht, der kann auch was erzählen:

Held: Frau!
Frau: Held!

Wer einst einen Game Boy besaß, dem dürfte das Spiel Mystic Quest nicht entgangen sein. Das Action-Adventure von Square erhielt damals zwar nicht die Höchstnoten, welche ein Zelda-Spiel erhalten würde, konnte aber dank seines Designs und eigenen Charmes die Herzen der Videospieler erobern. Es wird sogar gemunkelt, dass manche Fans sämtliche Texte auswendig können.

Mystic Quest wurde zur Legende unter den Videospielern und ist auch heute noch ein clever designtes Abenteuer mit viel Herzschmerz und Dramatik. Seine Berühmtheit erlangte das Spiel aber vor allem dadurch, dass es der Vorgänger eines noch viel erfolgreicheren Games war: Secret of Mana für das Super Nintendo ist das, was man einen Spieleblockbuster nennt, eine weitere Legende des Rollenspielmarktes. Leider wurde die Nintendo-Fortsetzung nie außerhalb Japans herausgebracht, der eher schwache Nachfolger der SNES-Zeit für die Playstation konnte nie an den Erfolg des ersten 16Bit-Teils anknüpfen.

Mana ist in Gefahr... mal wieder

Ein paar Jährchen später: Der Game Boy Advance hat sich als erfolgreichster Handheld aller Zeiten etabliert und Square Enix kehrt zu den Wurzeln zurück: Zu Nintendo. Neben einem nur in Japan veröffentlichten Chocobo-Spiel war Final Fantasy Tactics Advance das erste Spiel für den GBA. Sword of Mana ist nun das zweite in Europa und hält an alten Advance-Traditionen fest: Es ist ein Remake von Mystic Quest, in Japan unter Seiken Densetsu und in den USA als Final Fantasy Adventure erschienen.

Die Story des Spiels ist schnell erzählt: Ein düsterer Zeitgenosse will mit Hilfe der Manaenergie die Weltherrschaft erringen. Ihr müsst ihn aufhalten und lernt dabei, dass Schwarz nicht immer Schwarz und Weiß nicht immer Weiß ist. Die ganze Geschichte wird im Laufe des Spiels leider etwas undurchsichtig, man merkt ihr das Alter inzwischen an. Und wer von den deutschen Übersetzern auf die Idee kam, den "Dark Lord" in "Schattenherrscher" umzubenennen, der gehört in den Kochtopf der Goblins aus Secret of Mana. Und diesmal kommt keine Lindenstraße, um ihn zu retten!


Schon beim Titelbildschirm verfällt der ambitionierte Zocker ins Schwärmen. Klingt doch das gute alte Mana-Thema in einer neuen, GBA-würdigen Version aus dem Lautsprecher. Erinnerungen werden wach, das erste Gefühl stimmt jedenfalls.
Das Spiel selber ist ein Action-Adventure allererster Güte. Wer Zelda schon einmal gespielt hat, der kommt auch mit Sword of Mana zu Recht.
Zu Beginn stehen euch zwei Figuren zur Auswahl: Ein männlicher Held und eine weibliche Heldin. Das ist schon mal neu, das gab es in Mystic Quest noch nicht. Je nach Auswahl verändert sich der Verlauf des Abenteuers ein wenig, die Dungeons bleiben aber weitestgehend gleich. Wer jedoch lieber mit Magie arbeitet, der ist mit dem Manamädchen besser dran, hat aber auch gleich einen härteren Schwierigkeitsgrad. Mini-Conan ist einfach besser im Monster-Meucheln.

Du suchst deine Freundin? Bei Ketts sind schon viele Frauen verschwunden

Wenn ihr durch die Tages- und Nachtwelt von Sword of Mana lauft und eure Waffe gegen finstere Gesellen zückt, ist in über 80% der Fälle ein zweiter Charakter mit euch unterwegs, der euch eher behindernd als nützlich zur Seite steht: Die KI der, je nach Storypart, mitlaufenden Figur ist mit der bahnbrechenden Intelligenz eines Wagenrades gesegnet. Anfangs bemüht man sich noch, dem anderen ab und an aus der Patsche zu helfen, später lässt man die NPCs (Non Player Character) einfach sterben und belebt sie an der nächsten Manastatue wieder. Nicht unbedingt Sinn der Sache, oder?
Die Statuen sind es auch, die Sword of Mana viel vom Schwierigkeitsgrad nehmen. Vor jedem Endgegner noch einmal speichern und volle Energie auftanken ist ja ganz nett, nimmt dem Spiel jedoch etwas den Drive und so ist, zumindest mit einem Charakter, nach 12 Stunden Schluss. Natürlich, wer dann mit der anderen Hauptperson spielt, der wird auf die doppelte Spielzeit kommen, hängt aber wieder in denselben Dungeons ab, die schon vorher durchgespielt wurden. Dafür gibt es neue Cutscenes, was einem zumindest den Eindruck vermittelt, ein neues Spiel zu spielen. Und wer wirklich alle Quests (bei Tag und bei Nacht!) lösen und sämtliche Monster "schwarz ärgern", sprich 999mal besiegen will, der braucht schon etwas länger als 20 Stunden. Auch die Ausbildung eures Helden braucht Zeit. Wollt ihr auf Krieger, Dieb, Magier oder Kampfsportler hin ausbauen? Die freie Punkteverteilung setzt eurer Fantasie keine Grenzen! Von dem her ist der Umfang durchaus in Ordnung. Vor allem, wenn ein Spiel so viel Spaß macht wie dieses. Das können einem auch nicht die unspektakulären Endgegner vermiesen, die meistens nach fünf bis sechs Schlägen in die Luft fliegen und besiegt sind. Kein besonderer Anspruch, dafür aber schön anzusehen.

Grafik
Wer Mystic Quest gespielt hat, der kennt die minimalistische Grafik, mit der dieser Klassiker aufwarten konnte. Ein paar Striche, fertig war die Landschaft. Sword of Mana ist hier "leicht" anspruchsvoller: Die bunten Hintergründe, die vielen Details in den Städten und Häusern lassen selbst Golden-Sun-Jünger erstmal verdutzt inne halten. Hier hat sich jemand ausgetobt, der von Design auf jeden Fall Ahnung hatte. Wer Secret of Mana 2 für das SNES jemals gespielt hat, der fühlt sich gleich in diese gute alte Zeit zurück versetzt.
Die Animationen der Figuren sind zwar etwas stockender geraten, wissen aber dennoch zu gefallen und können es mit jedem anderen Rollenspiel/Action-Adventure aufnehmen. Leider kommt es aber ab und an zu merklichen Slowdowns, wenn viele Gegner auf dem Bildschirm sind. Auch Bildstörungen wie flimmernde Striche kommen ab und an vor. Das verhindert eine höhere Wertung. Daran kann auch der schöne Tag- und Nachtwechsel nichts ändern.


Sound
Auch wenn man "nur" die alten Themen von Mystic Quest neu aufgelegt hat: Das Nostalgiker-Herz jedes Game-Boy-Zockers beginnt zu bluten, wenn die wunderschöne Weltenmusik ertönt oder Lester auf seiner Harfe spielt. Solche Melodien sind einmalig, der Soundtrack gehört zu dem Besten, was man auf dem Game Boy Advance finden kann. Für jede Situation wurde die passende Musik gefunden, von Dramatik bis Sehnsucht. Da stört es auch nicht, dass die Soundeffekte dahinter etwas verblassen. Geräusche wie z.B. eine jubelnde Menge oder das Donnern eines Gewitters klingen sehr dumpf und werden schnell vergessen.

Steuerung
Eure Helden lassen sich gut und flüssig durch das Geschehen lenken. Angriffe gehen locker von der Hand, an das etwas eigenwillige Combo-System hat man sich nach 2 Stunden Spielzeit auch gewöhnt. Starke Angriffe mit über 100 Schadenspunkten sind im späteren Verlauf des Spiels keine Seltenheit mehr.
Schade nur, dass man das Magiesystem so stark weich gekocht hat, dass es eigentlich überhaupt keinen Sinn mehr macht. Ein kurzer Druck auf R: Ein Heil-Schutz-wasauchimmer-Zauber wird ausgelöst. Ein langer Druck auf R: Ein Angriffszauber, abhängig von der Wahl eurer Waffe, kommt zu Tage. Im Eifer des Gefechts dauert das entschieden zu lang und wird von jedem Gegnertreffer unterbrochen. Leicht& nervig. Genauso wie das Sprung-Feature: Man sieht nicht immer, wo man jetzt hoch oder herunter springen kann. Zum Glück muss man es nicht so oft anwenden&

Features
Es hätte so schön sein können: Sword of Mana ist geradezu prädestiniert, einen kooperativen Multiplayer zu besitzen. Zu zweit Monster semmeln, das wäre es gewesen. Leider hat man sich bei Square Enix dagegen entschieden. Es gibt zwar einen Link-Modus, dieser ist jedoch nur dafür da, so genannte "Amigos" zu erhalten. Das bedeutet: eure Freunde erscheinen auf Knopfdruck und nehmen am Kampfgeschehen teil. Je mehr Amigos, desto stärker fällt dieser Angriff aus (kommt einer "Beschwörung" gleich). Ein verschenktes Feature, eindeutig.
Insgesamt stehen euch in diesem 128MB-Spiel zwei Saveslots zur Verfügung, für jede Figur einer. Man sollte sich jedoch genau überlegen, wie man sie einsetzt. Denn ab einem bestimmten Teil der Story gibt es kein Zurück mehr in die Spielewelt, dann muss man das Game bis zum Ende bestreiten und hat nicht mehr die Möglichkeit, alle Quests zu lösen.
Die Quests sind ein interessantes Feature: Manche Items schleppt man das ganze Spiel mit sich rum, bis man endlich den Vater findet, der unbedingt einen gebratenen Molch haben wollte. Sehr unterhaltsam und mit viel Witz gespickt.
Etwas nerviger ist das Waffenschmieden in Sword of Mana. Hier wollte man scheinbar besonders kreativ sein und entwickelte ein System, bei dem Früchte und Gemüse zu Upgrades verarbeitet werden. Das ist so lächerlich, wie es klingt. Schon mal jemanden mit einem Erdbeerschwert besiegt? Doch auch hier gilt: Sammelfeature. Um die beste Waffe zu bekommen, muss man sich schon genau umschauen und sämtliche Truhen mit allen Samen finden, die man im "Kaktushaus" sprießen lassen kann.



Fazit:
Sword of Mana ist leider nicht ganz der Überflieger geworden, den sich alle erhofft haben. Und es spaltet die Zockernation wieder in zwei Hälften: Die einen werden es lieben, die anderen verdammen. Sword of Mana macht auf jeden Fall sehr viel Spaß und kann, wenn man über die vielen Mängel hinwegsieht, auf lange Zeit unterhalten. Wer Spaß am Sammeln hat und nach langer Wartezeit endlich wieder ein Square-Spiel in den Händen halten will, das nicht pure Strategie enthält, der kann zugreifen. Vorher sollte man aber auf jeden Fall probespielen.



Christian Nork

PlanetGameboy.de dankt Nintendo für die freundliche Bereitstellung des Testmusters.

WERTUNG:
83%
Gutes Adventure mit Designmängeln Zu diesem Spiel: Preischeck
Preischeck
Tipps und Tricks (3)
Komplettlösung
Videos
  Steuerung Flüssig, aber Potential verschenkt
  Features Kein Multiplayer, viel zum Sammeln
  Grafik Schöne Hintergründe und Farben
  Sound Einmalige Melodien
  Spielspaß Ausgedehnte Unterhaltung







Details
Spielname:
Sword of Mana

Publisher:
Square Soft

Genre:
Rollenspiel

Release:
.. (erschienen)

Multiplayer:
ja

Screenshots:

ScreenViewer öffnen (8)

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