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Harvest Moon: Friends of Mineral Town


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Harvest Moon: Friends of Mineral TownReview vom 22.02.2004

Es gibt Menschen, die verstehen uns Zocker nicht, die wir tagtäglich stundenlang in dunklen Kammern vor Bildschirmen hängen. Daher fällt oft die gehässige Frage: "Hast du eigentlich kein Leben?" - Ab jetzt kann man daraufhin freundlich seinen GBA hochhalten und voller Stolz sagen: "Doch! Hier!", denn mit Harvest Moon - Friends of Mineral Town wurde uns eine Lebens-Simulation beschert, wie sie der GBA noch nicht gesehen hat.Es begann mit Harvest Moon auf dem GBC, lediglich ein dröges Rübenrupfspiel. Das stumpfe Beetehacken und Gemüseernten konnte auf die Dauer höllisch ermüdend wirken, und die vermehrten Bugs im Gameplay taten ihr übriges, zum Frust beizutragen. Auf dem GBA wird nun zwar nicht alles anders, aber vieles besser, denn das Spielprinzip ist (nach einigen Folgen auf anderen Systemen) schon etliche Stufen auf der Komplexitätsleiter gestiegen und geht daher gewaltig übers gemeine Gemüse hinaus.

Die "Story" erschöpft sich in einer Anfangssequenz, wo der Hauptcharakter von einem alten Mann, den er als Kind mal im Urlaub getroffen hat, eine Farm vererbt bekommt. Auf die anfängliche Freude folgt die Ernüchterung, denn auf dem dichtbewucherten Grundstück stehen nur leere Ställe und eine kärgliche Hütte. Eure erste Aufgabe ist es also, aufzuräumen und Geld zu machen. Und damit fühlt man sich erstmals in die schlechten alten Zeiten von Harvest Moon auf dem GBC zurückversetzt - bis man bemerkt, dass an dem Spiel noch viel mehr dran ist, als Unkraut zu jäten. Um die Farm erstreckt sich nämlich eine reichhaltige Umgebung, die ihr Zentrum in der "Mineralstadt" im Norden hat. Hier kann man nicht mehr, wie es in der GBC-Version der Fall war, nur einzelne Läden in einem Menü anwählen, wo man lediglich Farmartikel kaufen kann, sondern hier ist die Stadt voller Menschen, die alle ihren eigenen Tagesablauf haben und an deren Leben du teilhaben kannst. Fünfzig verschiedene Charaktere laufen in der Welt von Friends of Mineral Town herum - und einige könnten aus einem Roman von John Irving entsprungen sein: der Supermarkthändler, der die Stadt hasst und davon Magengeschwüre bekommt; der Pfarrer, der sich den ganzen Tag mit kleinen Kindern umgibt; der Weinhändler, der sein ganzes Vermögen versäuft - wäre es nicht so lustig gemacht, hätte diese Figurenkonstellation ein ordentliches dramatisches Potential. Aber auch so wird einiges geboten und man darf in vielen hübschen Zwischenszenen an Liebe, Hass und Eifersüchteleien in Mineralstadt ordentlich teilhaben. Einige Male pro Jahreszeit (eine Jahreszeit besteht aus dreißig Tagen) werden Festivals abgehalten, an denen man eingeladen ist, teilzunehmen. Es gibt Kochwettbewerbe, Pferderennen, bei denen man auch wetten kann, Feuerwerk, Kuh- und Schafs-Schönheitswettbewerbe und vieles, vieles mehr.

Vieles, vieles mehr ist überhaupt ein gutes Stichwort, denn die Komplexität ist in diesem Spiel wirklich beispielhaft. Man bringt eben nicht den ganzen Tag auf dem Feld zu und schläft dann ein, sondern es werden einem (verglichen mit der GBC-Version) relativ früh im Spiel Werkzeug-Levelups zur Verfügung gestellt, mit denen man die Gartenarbeit auf ein Minimum reduzieren und mehr Zeit in der Stadt, im Wald, im Gebirge, am Strand oder in unterirdischen Minen verbringen kann. Tatsächlich gibt es auch mehrere zusätzliche Geldquellen zur Ackerwirtschaft - man kann Hühner, Kühe oder Schafe züchten und von ihren Eiern, ihrer Wolle oder Milch einiges an zusätzlichen Moneten scheffeln, oder aber man kann angeln - zu jeder Jahreszeit gibt es unterschiedliche Fischsorten, die einen hohen oder niedrigen Preis bringen, oooder aber man verkauft die Edelsteine, die man beim Graben in der Mine findet etc. etc. usw. usf. Den Möglichkeiten sind nur wenige Grenzen gesetzt.

Nun mag es aber immer noch einige alte GBC-Veteranen geben, die sich fragen: "Wozu das alles? Wozu soll ich möglichst viel Geld machen? Um mir neue Samen zu kaufen?" - Das war ein Problem auf dem GBC, aber nicht mehr hier. Denn die zusätzlichen Sachen, die man sich kaufen kann, lassen so manches Herz höher schlagen. Im Supermarkt selbst geht es natürlich zweckgebundener zu, hier gibt es größere Rucksäcke, Körbe und ähnliche Gebrauchsgegenstände - aber zusätzlich gibt es den Teleshopping-Sender (dass es vier verschiedene Fernsehsender mit täglich wechselndem Programm gibt, erwähnte ich bereits?), bei dem einige exklusive Mehr-oder-weniger-Schnäppchen angeboten werden. Der absolute Überhammer ist hier natürlich eine nigelnagelneue Küche, in der man sich mit seinen eigenen geernteten Früchten und gekauften, geangelten oder im Wald gefundenen Zutaten deliziöse Speisen zusammenkochen kann. Das Experimentieren macht hier am meisten Spaß - es gibt viele, viele Variationen von Speisen und so viele Rezepte zum Ausprobieren, dass allein dieses Feature einen schon für Stunden fesseln kann. Auch weitere Gegenstände gibt es zu kaufen; man kann sein Haus mit einem komfortablen Badezimmer erweitern, in dem man sich nach einem stressigen Tag erholen kann, oder man kann seiner Angebeteten die kostbarsten Geschenke bereiten.

Denn eine andere witzige Möglichkeit ist es, sich in der Stadt ein hübsches Mädel anzulachen - fünf gibt es an der Zahl - und das ist fast so schwierig wie im richtigen Leben. Was die Sache allerdings weitaus vereinfacht, ist die Tatsache, dass jedes dieser Mädchen eine kleine pulsierende Herz-Anzeige auf der Brust hat, die die Zuneigung symbolisieren soll, welche sie für deinen kleinen Farmer empfindet. Anfangs ist dieses Herz noch klein, verschrumpelt und in einem krankhaften Schwarz gehalten, aber je mehr man mit ihr redet, ihr Geschenke macht und ihr in persönlichen Dilemmas weiterhilft, desto größer und farbiger wird ihr Herz und die Liebe zu dir. Welches Mädchen du dir für deine Gunstbezeugungen aussuchst, bleibt dir überlassen (mein klarer Favorit: die rassige Karen aus dem Supermarkt), und wenn du gar keine Frau benötigst - auch in Ordnung. Doch - wie im richtigen Leben - es werden sich auch andere Jungs aus der Stadt um die Mädels bemühen, daher pass nur auf, dass sie dir keiner wegschnappt! Das Flirten mit den Mädchen, das Herausfinden, was für Geschenke sie bevorzugt und wann sie sich meistens wo aufhält, nimmt einen beträchtlichen Teil von (zumindest meiner) Spielzeit ein.

Und die Spielzeit ist quasi unbegrenzt. Ist ein Jahr abgelaufen, fängt ein neues an - und das kann lange, lange so weitergehen. Wer die ersten, recht langwierigen Stunden des Farmaufräumens und Beetehackens überstanden hat, dem bietet sich ein Spiel mit tausend Möglichkeiten, in dem man als gefeierter, aber bettelarmer Liebling der Stadt, oder auch als menschenscheuer Knaster auf dem florierenden Bauernhof enden kann.

Die Grafik ist bunt, die Menschen und Tiere sind knuffig und ihr Aussehen lässt auf ihren unterschiedlichen Charakter schließen. Auch die unterschiedlichen Jahreszeiten sind hübsch, wenn auch nicht umwerfend, animiert. Vielleicht hätte man bei den Beeten den farblichen Unterschied zwischen gegossenen und trockenen Feldern nur noch etwas hervorheben sollen, denn da muss man manchmal ziemlich die Augen zusammenkneifen.

Die Geräusche kommen auf dem GBA sehr überzeugend rüber - seien es Regen- und Sturm-Sounds oder die Tierlaute, die offensichtlich von echten Tieren gesampelt worden sind. Die Musik ist ziemlich belanglos, hält sich aber meistens im Hintergrund - nur in manchen Situationen nervt sie, wie z.B. wenn sich im Herbst ständig eine Melodie im Stile von "My Bonnie Is Over The Ocean" wiederholt, schlägt das spätestens nach dem zehnten "Tag" aufs Gemüt.

Die Features lassen sich auch ganz ordentlich an, es gibt zwei Speicherstände und eine Gamecube-Kompatibilität (laut Natsume soll man dann von der Mineralstadt in die Stadt auf den Gamecube herüberspazieren können).
Ein absolutes Manko an dem Spiel ist allerdings die deutsche Übersetzung, und die ist nicht nur schlecht, sondern unter-aller-Sau. Wenn man von den offensichtlichen und leider äußerst zahlreichen Tippfehlern mal absieht, wurden teilweise noch komplette Sätze aus der englischen Version unübersetzt im Spiel belassen und ähnliche Schludrigkeiten. Außerdem scheinen auch technische Mängel eine Rolle zu spielen, z.B. steht zuweilen als Antwortmöglichkeit zweimal eine genau inhaltsgleiche Aussage - man muss hier auf gut Glück eine anwählen und hoffen, dass sie wirklich das ist, was man eigentlich sagen will. Dazu kommen die noch schwerwiegenderen Übersetzungsfehler, die wirklich für Verwirrung sorgen können. So steht zum Beispiel an der Wassermühle am Hühnerstall, man solle Getreide hineinfüllen, das dann zu Hühnerfutter verarbeitet wird. Mein Problem: ich hatte kein Getreide und wusste nicht, wo man welches herbekommen kann. Bis mir irgendwann aufgefallen ist, dass das nur ein Übersetzungsfehler ist und sie eigentlich Mais (engl. "corn") meinten. Auf dem Bildschirm einen Maiskolben und daneben die Beschreibung "Getreide" zu sehen, wirkt schon mehr als lächerlich. Oder bei einem der zahlreichen Minispiele, mit denen man die so genannten Erntewichtel als Azubis auf der Farm einarbeitet, sieht man am Ende immer in großen bunten Buchstaben in der Mitte des Bildschirms: "LÖSCHEN!" - Ich grübelte lange, was das hieß - hatte ich in dem Minispiel irgend etwas falsch gemacht? Dann kam ich auf die Lösung, natürlich war es wieder ein Übersetzungsfehler, es hieß im englischen Original wohl "Clear!", was signalisieren soll, dass man das Minispiel geschafft hat. Solche irritierenden Übersetzungsfehler, ebenso wie die zahlreichen Tippfehler, hätten vermieden werden können, wenn irgendjemand mit halbwegs vernünftigen Englisch- und Deutschkenntnissen sich den Spieltext noch einmal durchgelesen hätte, bevor das Spiel zu Tausenden in die Produktion gegangen ist. Zusammen mit den Mängeln bei der Wahl der Antwortmöglichkeiten führt das leider zu einem Minus in der Bewertung - so gut das Spiel auch sonst sein mag. Denn zu meinem Bedauern kann man den Bildschirmtext nicht auf die englische Sprache einstellen.

Fazit:
Wenn man von der miserablen Eindeutschung absieht, haben wir es hier mit einem erstklassigen Stück Software zu tun, das einen Dauerspaßwert hat, an den auf dem GBA wohl nur Advance Wars herankommt. Wenn man die ersten Stunden des Schuftens überstanden hat, ist Harvest Moon - Friends of Mineral Town mit seinen unzähligen Möglichkeiten äußerst motivierend und nur Leute, die ein ungeheuerlich interessantes Leben haben, können es sich leisten, dieses Game nicht zu mögen.



Christian Luscher | Sagat



Vielen Dank an UbiSoft für die freundliche Bereitstellung des Testmusters

WERTUNG:
85%
Rüben und Mädels - was kann mehr Spaß machen? Zu diesem Spiel: Preischeck
Preischeck
Tipps und Tricks (5)
Komplettlösung
Videos
  Steuerung Clevere Menüführung mit praktischen Shortcuts
  Features Cube-Linkfunktionen, versaubeutelte Eindeutschung
  Grafik Knuddelig und bunt!
  Sound Geniale Geräusche, düdelige Musik
  Spielspaß Hält lange, lange bei der Stange







Details
Spielname:
Harvest Moon: Friends of Mineral Town

Publisher:
Ubi Soft

Genre:
Anderes

Release:
.. (erschienen)

Multiplayer:


Screenshots:

ScreenViewer öffnen (15)

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