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Oddworld: Munch´s Odysee


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Oddworld: Munch´s OdyseeReview vom 07.01.2004

Der Klassenkampf erreicht die Videospielszene. In der Oddworld werden grüne liebenswerte Krüppel von den bösen Industriellen unterdrückt und ausgerottet. Nach zwei PC-Spielen und einem X-Box-Game gibts nun auch die "grüne Revolution" durch Abe und Munch für unterwegs.Zu "verdanken" haben wir diese Umsetzung THQ, die auf die glorreiche Idee kamen Microsoft-Franchises zu lizenzieren. Schließlich hat Bill Gates seinen Spieltrieb ja noch an einem eigenen Handheld ausgelebt. Leider hat THQ beim Design jedoch gleich mehrmals danebengegriffen und eigentlich fast alles falsch gemacht, was man falsch machen kann.

Das fängt schon bei grundlegenden Entscheidungen an: Für PC gab es Ende Ende der 90er so schöne zweidimensionale Oddworld Jump 'n' Runs. Eine Demo aus der GBADev-Szene zeigt sogar, dass eine solche Engine gut für den GBA umsetzbar ist. Aber was bekommen wir stattdessen von der größenwahnsinnigen Spezies der Gameboy-Entwickler geliefert? Genau, gleich eine Umsetzung des aktuellen X-Box-Abenteuers... Die wahl fiel dabei auf die bei den GBA-Entwicklern allseits beliebte Iso-/Vogel-perspektive. Mal unter uns, kennt ihr ein sehr gutes GBA-Abenteuer mit solch einer Grafikengine? Nein, denn es gibt zwar viele, aber irgendwie scheinen die Entwickler nicht begriffen zu haben, dass das Gameplay solcher Titel in der Regel Mängel aufweist, eben durch die Perspektive. So auch hier.

Ein wichtiges Element war bei Oddworld schon immer die Interaktion mit den Mudokons und Fuzzles, die die Landschaft bevölkern. Ihr könnt ihnen jederzeit Befehle geben. Z.B., dass sie euch folgen, einen Feind angreifen oder andere Aktionen ausführen sollen. Das ganze nennt sich GameSpeak und war schon in den Vorgängern einer der wichtigsten und interessantesten Features des Spiels. Ihr übernehmt die Kontrolle über Abe oder Munch (später auch über beide) und lauft in 13 Spielabschnitten genretypisch rum, um Spooce-Büsche zu sammeln, die wiederum ein Tor öffnen. Ein andermal ist die eben angesprochene GameSpeak erforderlich, Schalterrätsel sind natürlich auch in Munchs Odysee verwurschtelt worden, genauso wie die Übernahme von Charakteren. Das Zusammenspiel der Protagonisten ist dabei äußerst wichtig, beispielsweise kann nur Munch schwimmen, aber das versteht sich ja von selbst, wozu sollte es sonst zwei Spielfiguren geben? Dann wären da noch die Feinde. Am besten geht ihr denen aus dem Weg. Dies könnt ihr beispielsweise, indem ihr an ihnen vorbeischleicht. Sollte ein Kampf unvermeidlich sein, hetzt ihr vorzugsweise Muddonks oder Fuzzles auf den Bösewicht, die das dann für euch erledigen.

Ihr seht, im Grunde ist das Konzept des Spiels durchaus abwechslungsreich und erfordert ein kluges Köpfchen und wohlüberlegte Vorgehensweise. Das Problem ist, wie eingangs erwähnt, die Umsetzung. Da wäre zum Beispiel die Steuerung. Die ist derart ungenau, dass man sich liebend gern Abes telepathischen Kräfte wünscht um die Befehle auf direktem Weg in den GBA zu übertragen. Ein Beispiel: Die sog. Reisebrunnen katapultieren dich an sonst unerreichbare Orte. Sie im Sprung zu treffen erweist sich allerdings als gar nicht mal so einfach. Nicht selten verhakt man sich. Auch die Sprungpassagen sind oftmals frustig, da Plattformen perspektivisch falsch oder zumindest verwirrend zueinander stehen.

Und warum in aller Welt gibt es nur Paßwörter? Abe ist mit seinen vielen Teilknobeleien ein Spiel, das geradezu auf Savegames ausgerichtet ist. Stattdessen bekommt man also Codes, und das mit Großbuchtsaben, kleinen Buchstaben und Zahlenfolgen! Ebenfalls ärgerlich ist die zu geringe Anzahl an Rücksetzpunkten, die nicht nur Gelegenheitsspielern das Leben schwer macht, sondern auch für das ein oder andere Frusterlebnis sorgt.

Der endgültige K.O.-Schlag für Oddworld ist die Technik. Wenn ich die Landschaften in Oddworld betrachte stellt sich ein unwohles Gefühl in meiner Magengegend ein, was unter anderem auch daran liegen dürfte, dass die Grafik in den Leveln zu Beginn aussieht, als sollte sie die Darmflora in ihrer vollen Pracht darstellen. Besser schauts da schon bei den Abschnitten in Gebäuden aus, aber mehr als ausreichend präsentiert sich das Spiel dort auch nicht. Auch die Animationen reihen sich in dieses negative Bild ein. Beim Sound kann immerhin die lustige Sprachausgabe überzeugen. Allerdings ist die musikalische Begleitung arg dröge geworden. Offensichtlich wollte der Komponist, dass der Soundtrack atmosphärisch wird, stattdessen ist er aber schlicht bloß langweilig.

Fazit:
Ich könnte die Mängelliste weiter fortsetzen, aber ich weiß, was ich tun werde! Ich schnapp mir Nadel und Faden und näh mir selbst die Augen zu! Dann muss ich mir, genau wie die misshandelten Figuren, die in der Oddworld vor sich hin vegetieren, nicht das grausame Ausmaß an Unfähigkeit anschauen, das dieses Machwerk an allen Ecken und Enden ausstrahlt.
Jetzt mal ohne Witz: Auf Playstation und PC gab es so schöne 2D-Sidescroller von Oddworld. Und ihr schustert hier so einen erschreckend lieblosen Iso-Kram zusammen? Is nich euer Ernst, oder?


Michael Voigt|Nasreddin


Vielen Dank an THQ für die Bereitstellung des Testmusters.

WERTUNG:
39%
Was habt ihr mit Oddworld gemacht? Zu diesem Spiel: Preischeck
Preischeck
Tipps und Tricks (2)
Komplettlösung
Videos
  Steuerung So exakt wie ein Chirurg mit Parkinson
  Features Ein Adventure mit Passwort...
  Grafik Vorsicht, Würgereflex!
  Sound Dröge Musik, coole Sprache
  Spielspaß Bin noch auf der Suche danach.







Details
Spielname:
Oddworld: Munch´s Odysee

Publisher:
THQ

Genre:
Adventure

Release:
.. (erschienen)

Multiplayer:
nein

Screenshots:

ScreenViewer öffnen (8)

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