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Zocken um des Zockens Willen?

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Autor: Iceman

Kategorie: kolumnen
Umfang: 1 Seiten

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Game Boy Advance Artikel vom 26.10.2004



Zocken um des Zockens Willen?



Wenn ich mir die Entwicklung der Videospielgeschichte näher betrachte, frage ich mich, wo soll das nur hinführen? Ich sehe mehrere konkurrierende Großkonzerne, der eine der versucht neue Generationen von Systemen möglichst schnell auf den Markt zu schmeißen, um mit dem nächsten Grafik-Blender die Heerscharen an sich zu reißen. Auf der anderen Seite sehe ich einen Konzern, der die Macht über die Massen schon hat und somit nicht mehr auf das zu achten braucht, worauf es beim Videospielen eigentlich ankommen sollte. Zuletzt ein gefallener König, welcher versuchen wird, mit schier krampfhaft, wirren oder gar verrückten Konzepten ein „Neues“ oder sollte man sagen monopolistisches Spielkonzept aufzubauen.



Doch die Frage sollte lauten: wollen die Spieler das überhaupt?

Das Videospielen hat sich über die Jahre hinweg in unserer Kultur verankert. Obwohl es in der Politik manchmal nicht als dies angesehen wird, vergleichen es Andere mit Büchern, Fernsehen oder weiteren alltäglichen Massenmedien. Die Nutzung dessen bestimmt allein der Spieler. Ob ich mich „kultivieren“ lasse, oder mich stupiden Instinkten hingebe, ist die freie Wahl der Selbstbestimmung. Ob ich mich in einen Konzertsaal setze und würdevoll den orchestralen Videospiel-Klängen lausche oder das nächste Massaker auf meiner Heimkonsole anrichte.



Doch so manches Mal kommt mir das Schaudern, wenn ich mir „meinesgleichen“ anschaue. Wenn ich beim abendlichen Schlendern durch den Elektromarkt meines Vertrauens gebannte starre präpubertäre Blicke, gefesselt an einem der zahlreichen Monitore sehe und nur vulgäre oder obszöne Laute vernehme. Der dringliche Wunsch nach mehr Realität, die Gier nach größeren Blutmassen oder weiblichen Rundungen, geballt mit brutaler Action wird laut. Zudem entfesselt sich ein Streit darum welches System denn das beste sei, die freien Meinungen spielen bei einer solchen Missionierungsaufgabe keine Rolle. Sehnt man sich da nicht nach der Zeit des kultivierten Zockens zurück? Gibt bzw. gab es diese überhaupt? Oder ist das Spielen einfach ein Drang dessen, zu zocken um gezockt zu haben, um sich so die Zeit tot zu schlagen?



Der tiefere Sinn des Spielens scheint verloren gegangen zu sein, die Abstumpfung der Jungend vorprogrammiert. Wenn sich heute nur der rühmen kann, welcher ein raubkopiertes Spiel oberhalb seiner USK-Freigabe durchgespielt hat, sehe ich traurigen Zeiten entgegen. Wie lange wird diese Entwicklung noch so weitergehen? Schon der Sprung von der zweiten Dimension hin zur dritten, hat bei den Entwicklungskosten enorme Unterschiede hervorgerufen.



Als in den Neunzigern noch ein kleines Entwicklerteam von fünf bis zehn Mann gereicht hätte, benötigt ein heutiges polygonprotzendes Spiel fast eine Entwicklercrew, die einer Filmproduktion gleicht. Die Kosten steigen, der Gewinn sinkt, die Kunden wollen nur das Beste zum billigsten Preis und illegale Wege mögen zwar ein Grund, jedoch kein Hindernis sein um die Sucht zu befriedigen. Der Markt reagiert darauf mit Billigproduktionen, die sich dank einer Lizenz trotz allem verkaufen lassen. Der Name reicht aus, um die unwissende Kundenschar in das nächste Vergnügensverderben zu schicken.



Doch meiner Meinung nach gibt es sie, sie verstecken sich zwar aber es gibt sie. Die seltene Spezies der „kultivierten Zocker“. Die sich nicht blenden lassen von Namen, Grafik oder markenspezifischen Dispositionen. Jene die sich mit einem bestimmten Ziel ihre Spiele aussuchen: Spielspaß, Witz und Anspruch müssen miteinander vereint sein.

Natürlich sehnt auch dieser Spieler sich ab und an nach einem stupideren Spielprinzip, als wolle er mal abschalten und sich die nächste Talkshow oder Gerichtssendung reinziehen. Doch sollte er sich genau überlegen, ob er zockt um einfach nur gezockt zu haben oder ob das Sammeln von neuen Erfahrungen hinter der Lust steht.

Kevin Jensen für PlanetGameboy.de

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