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Auf der Suche nach der Zielgruppe

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Autor: Nasreddin

Kategorie: kolumnen
Umfang: 1 Seiten

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Game Boy Advance Artikel vom 17.07.2004



Auf der Suche nach der Zielgruppe

Pünktlich zu den neuen Markteinführungen sind sie wieder alle da: Meinungsforschungsinstitute, Presseagenturen und Firmensprecher wollen uns
denken lassen, dass ihre Produkte die sind, auf die wir schon immer gewartet haben. In diesem Fall sind es Handhelds. Wir als Spieler fangen natürlich an zu vergleichen, genauso wie die Presse. Und vor allem Investoren und Brancheninsider analysieren, diskutieren und spekulieren so wild wie schon seit Jahren nicht mehr.

Stopp! So nicht! Die Handhelds von Nintendo, Sony und Nokia haben doch gar nichts miteinander zu tun. Das zumindest scheinen uns die Hersteller der beleuchteten Geräte klar machen zu wollen. Der Begriff "Zielgruppe" hat spätestens jetzt auch mobile Spieler erreicht und ist immer häufiger in unserer Berichterstattung zu lesen. Es wird komplizierter, seitdem die Emporstrebenden an dem Nintendo-Monopol im Handheld-Sektor kratzen. Oder doch nicht?


Mit dem Gameboy (Advance) war doch alles so einfach. Wer unterwegs zocken wollte, hat einen gekauft. Ob jung oder alt, groß oder klein, dick oder dünn, arm oder reich. Aber schon da kristallisisierte sich heraus, dass Nintendo vor allem auf den Nachwuchs fokussiert war, auch wenn man es bis heute nicht wirklich zugegeben hat, Spätestens mit dem GBA SP signalisierte Nintendo aber: Der Gameboy ist für alle da!

Und jetzt? Nokia hat mit dem N-Gage Spieleterminal den ersten Angriff auf den japanischen Riesen gewagt. Was wurde vorher gelästert. O-Ton Nokia: "Der GBA ist was für 10jährige". Axel Herr, damals noch der Herrscher über Nintendo Deutschland, schoß in einem Interview gleich eine ganze Mängelliste an Nokia zurück. In der Regel streitet man sich ja nur mit Konkurrenten, die man als ernst zu nehmende Widersacher einschätzt. Und so verwunderte zumindest mich der plötzliche Stimmungswandel bei Nokia nach dem Release: Der GBA habe ja gar nichts mit dem N-Gage zu tun: "Wir sehen N-Gage nicht in einer Kategorie mit den tragbaren Konsolen, die der Markt bisher kennt", so Kristina Rücken von Nokia im Gespräch mit uns. Zu viele Features habe das Spielehandy, welche andere Plattformen nicht haben.


Also wenn ich das richtig verstehe: Es konkurrieren nur Produkte, die quasi identisch sind? Der Hersteller von TFT-Bildschirmen braucht sich also keine Sorgen zu machen, dass die billigen Röhrenbildschirme bevorzugt werden könnten? Beim Bäcker besteht keine Konkurrenz zwischen den Rosinenbrötchen und dem Streuselkuchen? Das sind zwei verschiedene Kategorien?


Damit wir uns nicht falsch verstehen: Natürlich gibt es so etwas wie eine Zielgruppe. Und natürlich unterscheiden sich die Produkte auf dem Markt teilweise gravierend. Aber selbstverständlich lassen sich die unterschiedlichen Geräte trotzdem vergleichen. Und wenn der Kauf einer mobilen Spielekonsole ansteht, dann wird auch verglichen. Gleichzeitig muss man sich auch an der Konkurrenz messen lassen, was momentan vor allem Nokia zu stören scheint. Die Verkaufszahlen des N-Gage sind im Vergleich zum GBA eher bescheiden. Und somit wird aus dem "Engagement im Gaming-Markt" plötzlich ein Handy. Denn für ein Handy hat sich das N-Gage gar nicht mal so übel verkauft.


Schön beobachten lässt sich dieses Phänomen auch bei den aktuellen Streithähnen Nintendo und Sony. Bei Nintendo stellt man die PSP bewusst als Technik-Goodie hin, GBA und DS werden als reine Spielegeräte hervorgehoben. Also keine Konkurrenz? Etwas anders liest sich da eine Aussage von Ron Bertram, Nintendo Kanada: "Wir werden unseren Marktanteil ganz klar mit dem Launch des DS und anderer Einheiten in Zukunft aggressiv verteidigen, aber wir denken, Konkurrenz ist gut. Ihr [Sonys] Eintritt wird diesen Markt erweitern."
Immer wieder widersprechen sich die drei Kontrahenten(?) selbst: Mal sind die Handhelds völlig verschieden, dann wiederum wird über die anderen gelästert, ein andermal dagegen wird sachlich verglichen. Was denn nun?

Es geht vor allem um zwei Punkte: Zum einen versuchen die Hersteller natürlich sich und die Konkurrenz so ins Licht zu rücken, dass beim Kunden kein Gedanken an so etwas wie Alternativen verschwendet wird.
Zum anderen scheinen die Kontrahenten sich aber auch zu fürchten und dem direkten Vergleich auszuweichen. Es wäre schließlich peinlich, wenn man diesen an der Ladentheke verlieren würde. Ich bin schon einmal gespannt, wie sich der Verlierer des Zweikampfes Nintendo - Sony rausreden wird. Sicher wird dann wieder von der Zielgruppe die Rede sein. Nicht davon, dass das Konzept einfach den Spielern nicht gefallen hat. Gleichzeitig hoffe ich, dass ihr im Aussagen-Dschungel einen kühlen Kopf bewahren könnt und eine weise, rationale und emotionale Entscheidung treffen könnt, welcher Handheld der richtige für euch ist.


Michael Voigt für PlanetGameboy.de

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