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Spieglein, Spieglein in der Hand

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Autor: Trunx

Kategorie: kolumnen
Umfang: 1 Seiten

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Game Boy Advance Artikel vom 23.04.2002

Kolumne by Trunx








Spieglein, Spieglein, in der Hand… oder: Mami, da ist ein Monster in meinem GBA!






Es war Ende des Sommers, als ich mir meinen Game Boy
Advance zulegte. Eigentlich war es eine Kurzschluss-
entscheidung, denn schließlich bin ich mit meinen 21
Jahren für so eine Kinderkonsole viel zu alt.

Aber die Möglichkeit, auch meine 18 Spiele umfassende
Game Boy Classic Sammlung auf dem neuen Gerät zu
spielen hatte mich dann doch überzeugt, 250 DM (125 €uro)
im Laden zu lassen.

Das erste Spiel dazu sollte Tony Hawks Pro Skater 2
werden. Trotz des stolzen Preises nahm ich den Profi-
skater im Handtaschenformat mit zu mir, mit dem Ver-
sprechen, mich möglichst gut um meinen neuen Schützling
zu kümmern.



Eine Stunde später saß ich daheim erwartungsvoll vor
meinem Gerät. Die Batterien eingelegt, das Spiel ein-
gesteckt und eingeschaltet. Trotz des Sommers war es
draußen dank eines nahenden Sommergewitters schon ein
wenig dunkler, aber ich dachte mir, dass die Entwickler
der neuen Superkonsole sicher mitgedacht hatten. Der
Power-Schalter wurde bewegt, das ultimative Spiel-
vergnügen konnte losgehen…





Oh war die Enttäuschung groß. Denn statt cooler Boarder, toller Stunts und super Grafik
sah ich etwas, was ich sonst nicht so gerne zu Gesicht bekomme:

"Mich" im Schein der zuckenden Blitze (ja, das Gewitter war da). Während ich mich also
betrachtete und feststellen musste, dass ich vielleicht doch mal wieder zum Friseur gehen
sollte, sah ich, wie sich über meinem Kopf ein großes Fragezeichen bildete. Sieht übrigens
toll aus.

Meinem Mienenspiel nach war ich etwas verwundert. War meine heißgeliebte Neuerwerbung
etwa defekt? Zwischen einem Donner näherte ich mein Ohr dem kleinen Lautsprecher (für
uneingeweihte: Das ist das kleine Ding gaaaanz rechts unten, da, wo die komischen Geräusche
rauskommen). Und: Es kam etwas! Klasse, Sound ist da. Also ist vielleicht das Display kaputt?
Kann ja sein, man steckt ja nicht drin in dieser japanischen Mikroelektronik (außer Sam Hell).
Bis mir irgendwann einfiel, das Licht einzuschalten, war eine weitere Stunde vergangen.
Mit der Helligkeit kam auch die Erleuchtung:

Da bewegte sich doch was! Ja, da! Ganz allmählich konnte ich einen Skater erkennen, der sich
da über die Schanzen bewegte. War also meine Hintergrundbeleuchtung defekt? Ausschalten,
Handbuch wälzen. H wie Hintergrund…. Hm, Fehlanzeige.

Ok, schweren Herzens greift man eben zum Telefon und ruft die teure Konsumentenberatung des
Lieblingsjapaners an. Bitte warten. Eine junge, freundlich Frau meldet sich am anderen Ende
der Leitung. An ihrer kühlen Stimme merke ich: Die hat Ahnung, die ist das Mekka der GBA-Fans!
Zu Hilfe, oh holdes Weib der Weisheit!

In meinem GBA tummelt sich ein Monster, dass aussieht
wie Meinereiner! „Des isch kein Defekt, des muss so sein.“ Wie, kein Defekt??? Hallo, ich
sehe es, bzw. sehe es eben nicht! „Aufgrund der Batterielaufzeit, etc., blablabla.“ Entnervt
stelle ich fest, dass ich hier nicht weiterkomme und das Geld lieber in eine richtige 0190er
Nummer investiert hätte. Also lege ich auf. Die Erklärungen am anderen Ende verstummen, ich
sitze immer noch vor meinem GBA und überlege, was ich machen soll.

Drüber geschlafen, der nächste Tag. Das konnte so ja nicht weitergehen. Also wieder zum Händler
geschlappt. Der weiß auch sofort Rat: „Ach, da sin´ Sie nich´ der erste. Wir empfehlen (diese
Betonung auf „Wir“! Toll!) in solchen Fällen immer die Lichter, die zusätzlich angeboten werden.
Hier zum Beispiel, dieses Wormlight. Der Renner, wird sehr gerne gekauft.

Wenn Sie mir bitte folgen würden? Haben Sie übrigens schon ein Akku-Pack, solche Batterien sind ja teuer…“
Ich nicke brav, meine Aufmerksamkeit hat sich schon nach den ersten Paar Sätzen zu den paar
Gehirnzellen des Verkäufers gesellt und macht mit ihnen Kaffeeklatsch. Egal, das Geld sitzt
locker und so komme ich vollgepackt mit einem ganzen Sortiment an Zubehör zwar nicht glücklich,
aber merklich befriedigt aus dem Laden. Ich liebe Verkäufer.



Daheim angekommen wird als aller erstes das Wormlight ausgepackt. Wohlgemerkt habe ich bisher
noch keine einzige Sekunde gespielt. Das soll sich nun ändern! Als ich auf On schalte ändert
sich mein Gesichtsausdruck von hemmungsloser Euphorie zu… na ja, sagen wir, ich war „not amused“
(und das ist harmlos ausgedrückt). Statt mir selber sehe ich jetzt ein grelles, helles Leuchten
auf meinem Display! Skandal! Während ich in Gedanken die Nummer meines Anwalts suche überlege
ich mir, was einen kleinen, munteren Japaner dazu veranlasst haben mag, mich diesen Qualen
auszusetzen. Sicher gibt es irgendwo in Tokio ein Büro, wo die besten Ideen prämiert werden,
wie man arme, ausgenommene Europäer quält…





...






Mehrere Monate später. Die Psychiatrie hat mich inzwischen wieder entlassen. Anscheinend soll ich versucht haben, die Japanische Botschaft mit einer Stehlampe auseinander zu nehmen. Tja, that´s life, sage ich mir und begebe mich heiter und munter nach Hause. An das letzte Jahr erinnere ich mich nur spärlich. Ich weiß nur noch etwas von einem Gewitter, der Rest ist ein verschwommener Klumpen.
Als ich nach Hause komme fällt mein Blick irgendwann auf meinen Schreibtisch. Da liegt so ein kleines Gerät. Game Boy Advance steht in kleinen, silbernen Lettern drauf geschrieben. Was ist das denn, denke ich mir, setze mich davor, ziehe die Schreibtischlampe näher, um gut sehen zu können und kann erstmals in meinem Leben in den Genuss von Tony Hawks Pro Skater 2 kommen! Wenn doch alles im Leben so einfach wäre…



Euer Trunx ;-)



















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