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Seite 3: User-Diskussion: Der GBA - Die Retro-Konsole ?

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Autor: Sonic

Kategorie: kolumnen
Umfang: 3 Seiten

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Game Boy Advance Artikel vom 02.11.2003







N-Freak


Back to the roots – Ich möchte das Großthema "Der GBA - Die Retro Konsole" sozusagen an den Wurzeln zu packen und förmlich die einzelnen Facetten auseinander zu rupfen - "GBA ist eine Retro Konsole", "GBA ist keine Retro Konsole", "GBA ist eine Retro Konsole" [...]. Der GBA ist definitiv eine Retrokonsole.


Meine grundlegenden Argumente, gelungene Umsetzungen, Potential des Retrogamings aber auch die Problematik der Materie werde ich im Folgenden einmal differenziert beleuchten - selbstverständlich mittels Backlight, Wormlight taugt ja nicht so viel.




Grundlegende Argumente & gelungene Umsetzungen


... womit wir schon beim ersten Argument wären: Das perfekte Zusammenspiel aus mehr oder minder innovativen Technik Spielereien mit bekannten Spieleklassikern und teils neuen Spielen. Einerseits bietet der GBA soviel, wie jede andere, vorhergegangene 16- Bit Konsole auch, technisch wie auch spielerisch ist der GBA prädestiniert für 2-D Plattformer, Sidescroller oder RPGs aus der klassischen Vogelperspektive.

Vergleicht man die technischen Daten des GBA mit denen des Super NES (z.B.):


Super Nintendo Entertainment System [SNES]



CPU 16 Bit

RAM 1024 Bit

Video-RAM 512 KBit

Audio-RAM 512 KBit

Prozessor 3,58 Mhz

Maximale Auflösung 512 x 448 Pixel

Farbpalette 32768 Farben

Maximale Farben auf dem Bildschirm 256

Soundkanäle 8 (Stereo)

Maximale Anzahl Sprites 128

Minimale Spritegröße 8 x 8 Pixel

Maximale Spritegröße 64 x 64 Pixel

Reaktionszeit der Joypads 16 ms


_____________________________________


Game Boy Advance (SP) [GBA]



32-Bit CPU Prozessor

-> 16,7 MHz

256 KB WRAM

hochauflösender TFT-LCD Bildschirm

240x160 Pixel Auflösung

Bildschirmgröße 40,8x61,2mm

32.768 gleichzeitig darstellbare Farben

Sound: 44,1 KHz


... so muss man zweifelsohne zu dem Schluss kommen, dass der GBA dem SNES am ähnlichsten ist, also ein "SNES Deluxe Portable", sozusagen. Alle SNES Spiele können theoretisch (rein technisch natürlich *g*) auch auf dem GBA zum laufen gebracht werden, was die Retro Möglichkeiten und Fähigkeiten natürlich merklich bekräftigt.


… womit wir beim zweiten Argument wären: Die Ergonomie, die Griffigkeit und die Beschaffenheit des GBA. Zu sehr erinnert der kleine Handheld an den SNES Controller. Die relativ minimalistische Button Belegung sorgt weiterhin dafür, dass sich der GBA schlicht sehr gut für Jump and Runs aus einer zweidimensionalen Seitenperspektive, obig erwähnte RPGs aus der Vogelperspektive etc. eignet.

In Sachen Handhabung bleibt auch nur der Retro-Rückschluss übrig. Alle vorhergegangenen Nintendocontroller sind im GBA in irgendeiner Weise im GBA verwurstet – heraus kommt das beste Handheld – Handling auf Heimkonsolen Niveau. Der GBA – die Retro Konsole.


Argument zum Dritten: Gelungene Umsetzungen finden wir zu Hauf: Mario 1-4, Donkey Kong Country, diverse Atari Spiele, Sword of Mana (als indirekte Konvertierung des Originals) und so weiter. Weiterhin NES Portierungen, Umsetzung von C64 Spielen und natürliche vermeintliche Neuentwicklungen auf der Basis eben dieser Klassiker [FF, Golden Sun, Mario Kart uvm].





Potential des GBA und des Retro Gamings


Selbstredend besitzt der GBA eine Menge Potential – auch als Retro Konsole. Einer der Trümpfe besteht in der Abwärtskompatibilität. GB(C) Spiele können ohne weiteres auf dem GBA gespielt werden, warum also nicht auch SNES oder NES Spiele, sofern die technischen Voraussetzungen gegeben sind?
Der Hauptaugenmerk des enormen Potentials des GBA besteht augenscheinlich darin, dass er den Begriff „Retro“ und dessen praktische Auswirkung in Form von Spielen perfekt der heutigen Zeit anpasst. Nebenbei ein paar MP3s am GBA anhören, ein paar Fotos schießen und Mario World bei grellem Backlight genießen. An und für sich eine tolle Idee, die Nintendo auch vorzüglich zu realisieren weiß. Unterstützend kommen die teilweise nicht ausreichenden Gegebenheiten, um einen wesentlichen Schritt in Richtung „PSX“ – Spiele zu machen hinzu. Mode 7, 3-D Engines, Ego Shooter – all dies wurde versucht, teilweise auch wirklich überzeugend umgesetzt aber letzten Endes überwiegt eben doch die Retroseite mit ihren tadellosen 2-D Games.
Eben dies muss man sich einfach vor Augen führen, darf es nicht ignorieren: Der GBA ist eine 2-D Konsole mit 3-D Fähigkeiten, zu mehr reicht es aber auch nicht.


Sagen wir also zusammenfassend zu diesem Gesichtspunkt: Der GBA bietet durchaus das technische Fundament für etwaige Ausflüge in die dritte Dimension, jedoch leidet grundsätzlich die Qualität unter der neu errungenen Tiefe des Raums. Back to the Roots heißt also die Devise: Schuster bleib bei deinen Laien, GBA bleib beim 2-D. Man sollte einfach nicht über seinen Verhältnissen leben, der GBA eben auch nicht über seinen technischen.



Ein wichtiger Aspekt steht uns noch bevor: Das Kiddy Image und die Zielgruppenfunktionalität des GBA. Schenkt man der landläufigen Meinung „Nintendo = Kiddy Image“ also Glauben, so ist auch der GBA eine zum Scheitern verurteilte Konsole für die Schnullergeneration.
Alles absoluter Nonsens. Die Zielgruppe liegt laut Nintendo selbst bei den 14- 20 Jährigen- unser Forum geht mit bestem Beispiel voran, das Durchschnittsalter liegt weit über dem Mindestalter der Zielgruppe.
Ein ziemlicher schmaler Grat, aber eine äußerst durchdachte Taktik steckt wohl hinter der doch recht kleinen Altersspanne der Zielgruppe: Sowohl die 14-Jährigen als auch die 20-Jährigen können für Retrospiele begeistert werden. Die 14-Jährigen waren zu (S)NES Zeiten (meist) noch zu jung, um ausführlich in die Welt der Videospiele einzutauchen, die 20-Jährigen freuen sich sicherlich, die Favoriten ihrer Kindheit in neuer Pracht auf dem GBA Spielen zu können. Gegen innovative Spielkonzepte (wie es sie auf dem GBA leider nicht in allzu großer Anzahl gibt) hat wohl niemand etwas einzuwenden – aber wohl auch nicht gegen portierte Klassiker. Nintendo stößt also auf eine breite Schicht potentieller Käufer von Retro Spielen. Diesen Braten riechen natürlich auch diverse Dritthersteller und schwups wird der Handheld Markt von Retro Spielen geflutet. Während die einen auf der Welle reiten…



… können die anderen auch untergehen…
Gefahren des Retro Daseins


Am einfachsten lässt sich dieser Gesichtspunkt wohl an Hand eines konkreten Beispieles festmachen: Die Mario Reihe auf dem GBA.
Angefangen hat der Spaß mit Super Mario Advance, des einen Freud, des anderen Leid. Ein Old School Jump and Run, noch dazu eine nahezu exakte 1:1 Portierung des NES Originals. Niemand hat gemeckert, alle waren begeistert und sowohl Fachpresse als auch Spieler spekulierten über den angekündigten Nachfolger. Groß war die Verwunderung, als plötzlich Super Mario World der vermeintlich zweite GBA Ableger der Serie werden sollte – noch dazu mit dem selben Multiplayer Modus wie der erste Teil ihn schon enthielt.
So konnte also auch die jüngste Nintendo Generation die preisgekrönten Ausflüge von Nintendos 5-Sterne Klempner verfolgen: Das „beste Jump and Run aller Zeiten“ (Fachpresse) nun also auch auf dem GBA – Klaro, Nintendo wollte doch nur ein gutes Werk schaffen.

Leichter Ärger machte sich erstmals nach Enthüllung des dritten Mario Advance Spieles breit: Yoshi’s Island. Zwar auf dem SNES auch ein exzellentes Spiel gewesen, doch irgendwann möchte man eben auch einmal Innovation erleben. Doch die Krönung der Dreistigkeit stand uns noch bevor. Super Mario Advance 4 – die vierte GBA Vollpreis Portierung, zum vierten Mal mit demselben Multiplayer Modus, wo bitte werden Nintendo die Grenzen aufgezeigt?



Dies fällt wohl den Konsumenten, den Käufern zur Last. Erhebt keiner die Stimme, so wird Nintendo weiterhin fast nur Remakes publizieren und entwickeln. Die Mario Serie ist mehr als ausgelutscht, die Gemüter erhitzt – aber solange die Spiele einen reisenden Absatz finden, scheint alles in Ordnung für Nintendo. Exakt in dieser Senke liegt die Problematik. Ist der spielerische Tiefpunkt erreicht, stößt das intuitive und einfache Retro Gameplay an seine Grenzen und sind Umsetzungen von älteren Spielen auf Grund schon vorhandener nicht mehr realisierbar. Der Käufer wird sich anstatt mit Innovation weiter und weiter mit belanglosen Retro Spielchen zufrieden geben müssen – und die selbstständig denkende Zielgruppe – jene der Retro Liebhaber, fällt weg. Das Fundament wird brüchig, Nintendo beginnt zu bröckeln. Ein Prozess, der sicherlich schon begonnen hat, ein Prozess, den nur Nintendo selbst stoppen kann. Um das zu arg retro-geprägte Image zu polieren und das Fundament wieder zu festigen, bedarf es neuer Ideen, neuer Charaktere und anstatt eines italienischen Klempners wohl eher eines griechischen Restaurateurs oder jamaikanischen Maurers –

Innovation ist Trumpf und der einzig richtige Weg zum Ziel. Hoffen wir, dass der Appell durch brüchige Mauern bis in höhere Nintendo Gefilde vordringt und schon bald die rote Klempner Mütze in neuem Licht erstrahlt.


Christian Thol [N-Freak] i.A. PlanetGameboy.de

- Niemand übernimmt auch nur einen Schimmer von Haftung an den in diesem Text zu Tage gebrachten Daten -



VIVI

Vielleicht liegt an letzteren schon das Problem: Nintendo gelang es in der 2D Zeit mal aufs mal geniale Innovationen an den Tag zu legen. Konkurrenz gab es keine, Myamoto konnte in Ruhe an seinem Leveldesign rumpfeilen und es zur Perfektion bringen. Auf der Playstation brachten es die Jump&Runer nie soweit an alte 2D Tugenden anzuknüpfen, so blieb Nintendo wieder die Zeit einen großen Wurf zu landen - die Konkurrenz konnte in 3D keinen wirklich Coup landen.


Mit Nintendo's N64 und dem dazugehörigen Mario 64 zeigte er der PSX seine Grenzen auf und began langsam die alten Käufer zurückzugewinnen - nie ganz wie wir wissen. Nintendo roch langsam den braten und erkannte das man in 3D mit "klassischen" Jump&Runs nicht die gewohnt gewünschte Breite Masse ansprechen kann. Mario 64 blieb zwar lange Einzigartig konnte sich aber nicht ewig halten.


Nintendo schuf damals einen Einzigartigen Weg ein: Es sollte ein portabler Handheld erscheinen der die alten 2D Marktführer Zeiten aufleben lies. Und das an Nachschubsproblemen erkrankte N64 nebenher noch mit Spielen versorgen. Keines der Projekte wurde 100% ausgeführt, wahrscheinlich erhoffte man sich mit den Remakes auf dem GBA keine großen Erfolge, weswegen man bestimmt schon an "richtigen" Nachfolgern arbeitete. Aber es funktioniert und man lies sich nicht von der schon wieder kommenden 3D Welle einfangen - Dank riesen Vorsprung und gewisser Marktsättigung wird weder der N-Gage, noch der Zodiac den GBA überrollen können (auch wegen der etwas anderen Taktik), doch wenn es nächstes Jahr wieder in die nächste Runde geht, wird sich zeigen ob Nintendo endlich mal eine 3D Schlacht gewinnen kann.


Auf den Next-Generation Konsolen konnte Nintendo mit Mario Sunshine nicht überzeugen - aktuelle PS2 Titel wie Jak&Daxter oder Ratchet&Clank sind beliebter und imho auch besser. Was blieb Nintendo? Ein Preiskampf. Dieser droht auch bei der nächsten Handheld-Generation. Das wird wohl im Sinne der Spieler sein, doch aus Erfahrung wissen wir, dass dieser Preiskampf wohl mit dem "besten 3D Jump&Run" geführt wird. Und dieses kennt wohl jeder unter dem Namen "Super Mario 64".



Na dann Prost und gute Nacht, liebe alte 2D Zeit, der Massenmarkt hat kein Interesse mehr an dir.


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