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Seite 2: Taschendiebe: Handhelds und Raubkopien

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Autor: Khalil Böller

Kategorie: sonstiges
Umfang: 6 Seiten

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Game Boy Advance Artikel vom 18.07.2005






Kommerzielle Raubkopien: Von Game&Watch Klonen, 110 in 1 Modulen und anderen kommerziellen Kopien


Spätestens mit dem Erfolg der Game&Watch Handhelds in den späten 70ern und frühen 80ern war klar, dass man mit elektronischem Spielzeug eine Menge Geld verdienen kann. Erfolg zieht bekanntlich Nachahmer an, die den Markt ebenfalls mit Handhelds überschwemmten, bei denen es sich zwar oft um Plagiate handelte, die Handhelds aber zumindest mit eigenen Namen oder Abweichungen im Spielablauf versehen waren.


Allerdings gab es auch damals schon Raubkopien von sehr erfolgreichen Game&Watch Modulen; sie wurden nahezu 1:1 kopiert, nicht nur was das Spiel an sich betraf, sondern auch das Design des Gerätes und der Name; vor allem bei Spielhallenumsetzungen.


Die Verarbeitung der Geräte war aber deutlich miserabler, was mit minderwertigen Bauteilen und schlampiger Verarbeitung zu erklären ist.

Gefertigt wurden diese Geräte in Produktionsstraßen im Ostblock und Südostasien, vertrieben wurden sie meist über den Spielzeug- und Elektronikgroßhandel und fanden so den Weg in den Einzelhandel. Zwar versuchten Firmen wie Nintendo und andere Hersteller, Druck auf den Einzelhandel auszuüben, an die eigentlichen Hersteller der Raubkopien gab es jedoch kein Rankommen, sei es aus politischen Gründen wie im Ostblock oder aber weil kriminelle Strukturen hinter den Herstellern von Raubkopien steckten.


Für Händler waren Raubkopien vor allem aus dem Aspekt interessant, weil die Gewinnmarge deutlich höher war als bei den originalen „Game&Watch“Modulen und das obwohl die Geräte im Endpreis für den zahlenden Kunden deutlich billiger waren als die Originale.

Da für die Hersteller keinerlei Lizenzgebühren anfielen, und sie Produktionskosten aus oben genannten Gründen deutlich billiger waren als für die Hersteller der Originale, war es für sie ebenfalls ein lukratives Geschäft. Der Schaden, der damals mit Raubkopien entstanden ist, ging schon damals in dreistellige Millionenhöhen.


Mit der Einführung und dem Erfolg des Gameboys eröffneten sich auch für kommerzielle Raubkopierer neue Möglichkeiten: Nun musste kein komplettes Gerät mehr nachgebaut werden, es reichte aus, sich die Software auf illegalem Weg zu besorgen und ein eigenes Modul herzustellen – selbstverständlich ohne Lizenzen an Nintendo zu bezahlen.

Die Hersteller von Kopien nutzten zudem auch andere technische Möglichkeiten:
Durch den Preisverfall bei Chips und auch dadurch, dass man nicht an eine Chipabnahme an Nintendo gebunden war, kreierte die professionelle Raubkopiererszene Spielecompilations mit diversen Spielen – selbstverständlich, ohne auch nur eine Lizenz für ein Spiel zu haben...
Um Kunden zu locken, überboten sich die Hersteller zudem noch in den Bezeichnungen, wie viele Spiele ihren Weg auf das Modul fanden: von anfangs „10 in 1 Modulen“ bis hin zu „110 in 1 Modulen“!


Die Module waren meistens deutlich teurer als Originalmodule, was mit der Menge an Spielen rechtfertigt wurde. Das böse Erwachen kam jedoch meistens, wenn man die Verpackung öffnete:

Neben meistens sehr schlecht fotokopierten und aus anderen Verpackungen zusammengestückelte Hüllen war keine Anleitung zu finden und spätestens beim Einlegen des Moduls wusste man, dass man über den Tisch gezogen wurde: denn auf diesen Multimodulen waren zwar oft eine Menge verschiedener Titel im Menü zu sehen, spätestens beim Anspielen diverser Titel musste man feststellen, dass es sich bei den meisten Titel auf dem Modul wiederum um Klone handelte, so dass die tatsächliche Anzahl der Spiele deutlich geringer war.


Außerdem versagten viele dieser Module bereits nach kürzester Zeit ihren Dienst, benötigte ein Titel vielleicht sogar eine Batterie, war man erst recht aufgeschmissen.


Zwar fand man solche Module inzwischen kaum mehr im regulären Handel, dafür war die Gesetzeslage zu heikel und auch die Softwarefirmen konnten auf den Handel deutlich mehr Druck ausüben als in den 80ern, jedoch fand man diese unlizensierten Compilations meistens in sehr kleinen Elektronikläden, auf Flohmärkten und waren auch ein beliebtes Mitbringsel aus dem Urlaub von Ländern, die es mit dem Urheberrecht nicht allzu genau nahmen.


Wie schon bei den G&W Geräten liefen die Module aus Produktionsstraßen, hinter denen nicht selten das organisierte Verbrechen steckte. Und auch wie schon davor verdienten sowohl Händler als auch die Hersteller sich eine goldene Nase.


Bis heute findet man diese Module auf Märkten, wobei sich der Absatzmarkt hin zu elektronischen Plattformen wie Ebay verschoben hat. Und anstelle von Gameboyspielen bieten die Hersteller heute vermehrt GBA-Compilations an; auf denen übrigens pikanterweise oft alte NES-Spiele zu finden sind; emuliert per PocketNES....


Übrigens gab es diese Compilations auch auf anderen Handhelds wie dem Sega Gamegear, nur war die Verbreitung nicht annähernd so hoch wie auf der Plattform von Nintendo – was sicherlich auch mit der Verbreitung des Handheld zusammenhängt.

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