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Movie Advance

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Autor: Trunx

Kategorie: hardware
Umfang: 1 Seiten

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Game Boy Advance Artikel vom 11.02.2004






Multimedia ist hip, Multimedia ist in.

Nicht erst seit Nokias N-Gage sind Filme im Handheldformat salonfähig, bereits seit dem GP32 geistern die Minifilme über die winzigen Bildschirme der Unterwegskonsolen.

Nachdem nun auch die Playstation Portable über Videofähigkeiten verfügen wird scheint man im Hause Nintendo den Ernst der Lage erkannt zu haben. Mit dem AM3 ist in Japan ein Movieplayer erschienen, der es GBA-Spielern ermöglicht, kleine Animes oder andere Kurzfilme zu kaufen und auf Smart Media Cards zu speichern. Erste Spiele wie Square Enix' Kingdom Hearts sollen nun auch in Spielen für atemberaubende Filmsequenzen sorgen.


Doch im fernen Osten schläft die Konkurrenz selten und so ist heimlich still und leise ein Konkurenzprodukt erschienen, welches Nintendos Lösung den Rang streitig machen kann: Der Movieadvance-Player, der über den bekannten Online-Händler Lik-Sang verfügbar ist, zeigt in unserem Test seine großen Stärken... und auch seine Schwächen.


Ein Paket aus Asien


Nach zwei Wochen Lieferzeit (man sollte nicht unbedingt den billigsten Versand wählen...) landet das unscheinbare Päckchen in der Planetgameboy.de-Redaktion. Hühnergrippe hin oder her, das zollamtlich abgefertigte Paket mit dem verheißungsvollen Kreuz bei „Merchandises“ wird eilig ausgepackt, dass die Schaumgummiteile nur so durch die Gegend fliegen.

Die erste Enttäuschung: Keine großartige Verpackung, keine bunten Bilder, sondern einfach nur eine grüne Packung mit einem recht großen, klobig aussehenden Ding, dass wie die Oberseite eines Rasierers aussieht. Das ist die versprochene Video-Hoffnung?

Der Rest ist ähnlich spektakulär: Eine 128MB Compact Flash Karte und ein 6-fach Kartenleser, mit dem die Inhalte später auf das Medium überspielt werden sollen. Neben knapp 40 Dollar für den Movieplayer kommen also nochmal 45 Dollar für die Karte und ca. 25 Dollar für den Leser hinzu, die Versandkosten von 8 Dollar noch garnicht mitbedacht. Lohnt sich das?


Erste Schritte


Als erstes wird natürlich der Rasierapparat-Aufsatz ausgepackt. Zwei Slots zieren seine eine, der GBA-Anschluss für den Modulschacht seine andere Seite. Links befindet sich ein Schalter, mit dem man zwischen Movie und Game hin und her schalten kann. Es ist also möglich, ein GBA-Spiel mit einzustecken, so dass man zwischendurch auch ein wenig zocken kann.

Neben dem Movieadvance befindet sich außerdem noch eine kleine 8cm CD in der Verpackung, eine Anleitung sucht man vergebens. Hier hilft vor allem die Seite Movieadvance.com weiter.

Nach der Installation der Software ist man zunächst etwas ratlos und starrt die zwei Programme an, die sich nun auf dem Desktop befinden (nein, eine fehlende Mac-Unterstützung werde ich an dieser Stelle ausnahmsweise nicht ankreiden!). Der Movie und der Music Converter sind die neuen Nachbarn von Arbeitsplatz und Papierkorb.



Let the music play

Um einmal schnell etwas auf die Karte zu werfen wird erstmal der Music Converter angeklickt, schließlich ist die Umwandlung von Musik weniger aufwenig als die von Filmmaterial.

Und siehe da, es geht alles ganz einfach! Per Drag and Drop zieht man die Musikdatei in das Programm, wählt noch schnell die Output location, also den Ort, an dem das konvertierte Musikstück landen soll. Ein weiterer Klick auf Convert... und innerhalb kürzester Zeit ist der Prozess beendet. Das wars? Kein weiterer Hokuspokus? Scheinbar nicht, also den Kartenleser angeschlossen, die Datei rübergeworfen, Karte in den GBA gesteckt und aktiviert....



Und es tut sich erstmal nichts.

Als wäre kein GBA-Spiel drin reagiert mein GBA weder auf gutes Zureden noch auf ein Winken mit der Golden Sun Packung, die in solchen Situationen Wunder wirken kann (was aber an dieser Stelle weder nachprüfbar noch nachweisbar ist). Also GBA wieder ausgemacht und das Ganze genauer betrachtet. Ein Slot ist noch frei für ein Spiel. Sollte da etwa... Spontan greift man in die GBA-Kiste, zieht das nächstbeste Game heraus (Flintstones? Ne, nicht mal für sowas! Nochmal wühlen... ah, Metroid Fusion, akzeptiert, Samus wird sich freuen) und steckt es in die freie Lücke. Wieder den Power-Schalter betätigt – Voilá, es tut sich was! Ein helles, freundliches Menü tut sich auf, in dem mehrere Punkte zur Auswahl stehen. Movie, Music, Book, About und Help steht da zu lesen. Ein Movie habe ich noch nicht, also wird es zwangsläufig Music sein. Dank Steuerkreuz und A-Knopf landen wir auch sofort an der gewünschten Stelle, der Dateiname steht, wenn auch stark verkürzt doch unverkennbar im Display. Ein weiterer A-Klick... und Evanescence schallt durch den Raum! Ein anerkennendes Pfeifen kommt über die Lippen der Tester. Das klingt doch gleich viel besser als die verkorkste Variante, die uns Big Ben letztes Jahr aufbinden wollte. Und laut ist es auch! Wobei wir es bei der Konvertierung sogar noch hätten verstärken können klingt das Lied zwar zwangsläufig etwas dumpf, doch gut erkennbar aus dem kleinen GBA-Lautsprecher. Wie gewünscht in Mono umgewandelt, was Platz spart und nebenbei sowieso GBA-Standard ist, wenn man keine Kopfhörer angeschlossen hat.

Apropos Kopfhörer: Der Akustik-Test wird einwandfrei bestanden. Zwar keine astreine MP3-Qualität, aber dennoch ausgezeichnet und durchaus anhörbar.


Movies und andere Phänomene


Die Umwandlung eines Videos gestaltet sich etwas komplizierter als die eines einfachen MP3s. Hier müssen einige Einstellungen mehr beachtet werden, um ein brauchbares Endergebnis hin zu bekommen. So zumindest die erste Überlegung, wenn man an Filmkonvertierungen im Allgemeinen denkt. Doch dank der guten Software des Movieadvance wird selbst diese "Arbeit" zum Kinderspiel... zumindest fast.

Wie schon zuvor wird die Applikation auf dem PC gestartet und sieht dieses Mal auch etwas anspruchsvoller aus. Viele verschiedene Einstellmöglichkeiten verwirren zunächst und hätten über eine gute Anleitung sicher erklärt werden können. So bleibt einem nur das Ausprobieren. Dafür werden in einem kleinen Help-Fenster in der Ecke die ersten Schritte erläutert.

Per Drag und Drop ziehen wir unseren Testkandidaten in das Fenster. Für den Test begnügen wir uns mit einer Yu-Gi-Oh Folge, die als Zeichentrick keine besonders hohe Qualität benötigt. Nachdem wir uns an die Einstellungen des Hilfefensters gehalten haben genügt wieder ein Klick auf Convert und der PC beginnt zu Rechnen. Und das nicht zu knapp! Hier merkt man schnell, dass man besser auf einen flotten Rechner zurückgreifen sollte. Während die erste Konvertierung auf einem Pentium 3 mit 800Mhz recht schleppend lief, flutschte das Umwandeln auf einem Pentium 4 mit 2,4 Ghz nur so dahin und war sogar schneller als Echtzeitkonvertierung. Mit einem Rechner unterhalb des 700Mhz sollte man also nicht auf den Movieadvance zurückgreifen es sei denn, man hat viel, viel Zeit.


Problematisch wurde es jedoch, als die Größe der Datei bestimmt werden sollte, die am Ende auf der Compact Flash Karte landet. Zwar existiert die Funktion "Nicht größere Dateien als...", diese ist jedoch mehr als unzuverlässig und so kamen am Ende statt nur einer gleich 8 unterschiedlich große Filmschnippsel heraus, alle zwar nicht größer als die angegebenen 15MB, aber trotzdem: 15MB mal 8 ist immernoch zu viel.

Nach einer Konvertierung auf die Größe der Karte (128MB, wir erinnern uns) ging es dann jedoch besser, da nur zwei Dateien ausgespuckt wurden: Eine Video- und getrennt eine Audiospur, die beide per Kartenleser rübergeschickt werden müssen. Denn sonst fehlt entweder Bild (bei Filmen wirklich nicht sinnvoll) oder Ton, der sich dann auch als Music-File anhören lässt ("Wir hören einen Film"). Insgesamt wurden aus einer 80MB Yu-Gi-Oh Datei einmal 60MB Film und 20MB Ton. Eine Folge hat ca. 25 Minuten, womit rein rechnerisch 128MB keine ganze Stunde ergeben. Wobei eine Konvertierung auf 50MB mit Ton ebenfalls gelungen ist, wobei der Qualitätsunterschied auf den ersten Blick nicht zu erkennen war.


Qualitätscheck

Was soll ich sagen, ich bin begeistert! Konnte schon der Sound-Check überzeugen macht der Movieadvance in seiner Königsdisziplin einiges her. Die Bildqualität auf dem kleinen Display ist herausragend, Schlieren und Ruckler findet man nur sehr selten und die Audio-Qualität kann sich hören lassen. Das Bild bleibt selbst bei schnellen Bewegungen erkennbar, wobei sich natürlich auch je nach Ausgangsmaterial die Aufnahmen verschlechtern können. Für Zeichentrick reicht es aber aus.

Doch nicht nur Animes sehen ok auf dem GBA-Display aus, auch der zweite Test mit einem kurzen Trailer eines aktuellen Kinofilms zeigt, dass die Qualität des Movieadvance sehr, sehr gut ist. Pixelfehler verzeiht man durch das kleine Display sowieso eher, einen Test des Geräts auf einem GBA-Player und auf dem großen Fernseher haben wir uns aber erspart - Das Ergebnis kann man sich denken...

Videos:

Video 1

Video 2

Video 3

Video 4


Weitere Features und Steuerung

Unterstützt werden sämtliche gängigen Windows-Film-Formate, den richtigen Decoder auf dem PC vorausgesetzt. Weitere Typen werden durch Updates in Zukunft unterstützt werden, was einen ausgezeichneter Kundenservice darstellt!

Neben dem Movie- und Audio-Player gibt es noch eine Ebook-Funktion, mit der einfache TXT-Dateien gelesen werden können. Nebenbei kann man außerdem seine Musik hören, was an und für sich eine gute Einrichtung ist. Leider beherrscht das aus Asien stammende Gerät keine Umlaute und ist daher für uns Deutsche weniger geeignet. Außerdem merkt sich der Movieadvance nicht den Punkt, an dem man mit dem Lesen aufgehört hat und eine Lesezeichenfunktion gibt es auch nicht. Dieses Feature ist also für die Katz.

Die Help-Datei ist zwar eine gute Idee, lässt aber Vieles weiter im Unklaren.


Dafür ist die Steuerung einfach und intuitiv. Während der Filme kann man im Minutentakt vorspulen oder zwischen den einzelnen Filmen, die sich auf der Karte befinden, hin und her schalten.

Beim Lesen aktiviert dir R-Taste den letzten angewählten Song, für Musikuntermalung bei der Kurzlektüre ist also gesorgt.



Fazit:

Film- und Multimedia-Freaks, die immer den neuesten Schnickschnack haben müssen sei der Movieadvance ans Herz gelegt. Für die eine oder andere Simpsons-Folge im Bus ist er perfekt geeignet, was Qualität und Größe der Dateien anbelangt.

Wer jedoch einen richtigen Film unterwegs sehen will, der sollte sich besser einen GP32, N-Gage oder am besten gleich DVD-Portable zulegen. Die Komprimierungsrate ist recht schwach, der Film behält viel von seiner ursprünglichen Größe bei. Mit großen Compact Flash Karten kann man dieses Manko zwar umgehen, andere Geräte bieten hier aber besseres.

Dennoch können wir den Movieadvance empfehlen: Er ist ein tolles Gadget und zeigt, dass der Game Boy Advance längst nicht zum alten Eisen gehört!



Christian Nork für Planetgameboy.de

Vielen Dank an Lik-Sang für die großzügige Bereitstellung des Testmusters


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