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Interview mit dem MCV-Chefredakteur

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Autor: Sonic

Kategorie: interviews
Umfang: 1 Seiten

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Game Boy Advance Artikel vom 13.06.2003




Wir haben mit Christoph Holowaty, Chefredakteur des renommierten Fachmagzins "Markt für Computer&Videospiele" (kurz MCV), über Nintendo, die aktuelle Marktsituation des GBA, die kommenden Konkurrenten und vieles mehr gesprochen.


PlanetGameboy Denken sie, dass der Launch des GBA SP dem Handheld-Geschäft wieder die nötigen Impulse gegeben hat oder sind z.B. die hohen Modul-/Spielepreise in Bezug auf die (in Europa nicht gerade herausragenden) Verkaufszahlen eher kontraproduktiv ?

Christoph Holowaty Der GBA SP ist optimal dazu geeignet, ältere Zielgruppen zu erschließen. Allerdings sollte nicht davon ausgegangen werden, dass der GBA wegen einer Vielzahl von konkurrierenden Freizeitangeboten wieder eine Boom-Phase erreicht wie es Anfang der 90er Jahre der Fall war. Zur Zeit rechnet Nintendo mit einem Jahresabsatz von ca. 380.000 GBA SP und 400.000 GBA, was meiner Meinung nach ein engagiertes Ziel ist. Die relativ hohen Modulpreise waren allerdings noch nie ein echter Hinderungsgrund für den Erfolg einer Konsole, sofern die Softwarequalität stimmt. Hier sind Nintendo und deren Lizenznehmer gefordert, mehr wirklich innovative Spiele wie etwa Advance Wars auf den Markt zu bringen.



PlanetGameboy Nintendo hat kürzlich verkündet, "aus Fehlern gelernt zu haben" und ein aggressiveres Marketing betreiben zu wollen. Sehen Sie im Bereich GameboyAdvance in Bezug auf Marketing-Strategie Verbesserungsmöglichkeiten bzw. Fehler ?

Christoph Holowaty Nein, Nintendo gehört zu den Markenartiklern, die stets führend in der Vermarktung von Videospielen waren. Immerhin hat das Unternehmen zum GBA SP Launch 10 Millionen Euro investiert und mit den gewählten Anzeigenmotiven und den schwerpunktmäßig belegten Lifestyle-Magazinen klar neue Zielgruppen anvisiert und auch gewonnen. Problematisch ist eher, dass Nintendo die Hardware zunächst mit einer so unglücklichen Bildschirmverspiegelung auf den Markt gebracht hat, dass das Gerät in geschlossenen Räumen praktisch nicht einsetzbar ist. Hier war die Veröffentlichung des GBA SP überfällig.

"Die Bedeutung von SNES-Umsetzungen ist [...] nicht zu unterschätzen"


PlanetGameboy Das Spiele-Lineup des GameboyAdvance wird größtenteils von Remakes alter SNES-Titel und qualitativ oft minderwertigen Lizenz-Umsetzungen beherrscht. Wie beurteilen Sie diese Situation ?

Christoph Holowaty Es leuchtet ein, dass viele Lizenznehmer aus Kostengründen auf bewährte Spielkonzepte bauen. Die Vielzahl an Neuerscheinungen für GBA, die bis Jahresende von Nintendo mit 80 Titeln beziffert wird, verschärft die Wettbewerbssituation und das Warenrisiko für den Lizenznehmer zusätzlich. Für den Hardware-Durchverkauf ist diese Situation natürlich unglücklich. Mehr Original-Titel wie z.B. ein Golden Sun wäre hier hilfreich. Allerdings ist Nintendo selbst bereits aktiv geworden und hat während der E3 einige vielversprechende Titeln angekündigt, wie z.B. Final Fantasy Tactics. Die Bedeutung von SNES-Umsetzungen ist trotzdem nicht zu unterschätzen: Ein Donkey Kong Country wird mit hoher Wahrscheinlichkeit einer der Top-Seller für GBA werden.



PlanetGameboy Was halten sie von der Strategie Nintendos, die GBA-Gamecube Connectivity konsequent zu nutzen und ausbauen zu wollen ?

Christoph Holowaty Nintendo-President Satoru Iwata hat während der E3 zugegeben, dass dieses Feature bislang zu wenig vermarktet wurde. Vor allem soll die Connectivity dem Hardware-Durchverkauf des GameCube helfen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wenn Spielehersteller den GBA für GameCube-Titel nutzen können, verfügen die GameCube-Titel natürlich auch gegenüber anderen Plattformkonvertierungen über exklusive Produktmerkmale, die bei der Vermarktung helfen.



PlanetGameboy Auf der diesjährigen E³ wurden mit Nokias N-Gage und der Ankündigung von Sonys PSP gleich zwei mögliche Gameboy-Konkurrenten vorgestellt. Wie beurteilen Sie die beiden Produkte und deren Marktchancen ?

Christoph Holowaty Dass Sony als Elektronik-Konzern in der Lage ist, Videospiele zu vermarkten, hat das Unternehmen bereits mit der PSone bewiesen. Wenngleich die Rahmendaten des PSP beeindrucken, bleibt abzuwarten, wie das Gerät preislich positioniert wird. Hier ist wichtig, dass Sony vermutlich theoretisch in der Lage ist, die Hardware massiver als Nintendo zu subventionieren, da das Videospielegeschäft nur ein Teilbereich des Gesamtumsatzes des Konzerns ist. Dadurch könnte Nintendo durchaus unter Druck geraten. N-Gage ist dagegen unter anderem wegen der geringen Akku-Leistung hardwareseitig nicht 100% ausgereift, kann aber gute Grafikqualität vorweisen. Falls der Preis bei 299 Euro bleibt, wird das Gerät natürlich schwierig zu vermarkten sein. Hier baut Nokia jedoch wie bei allen anderen Handys auch darauf, dass die Netzbetreiber das Gerät subventionieren. Mit entsprechenden Kombi-Angeboten kann Nokia durchaus eine Chance haben, zumal der Markenname in der jüngeren und mittleren Zielgruppe hervorragend etabliert ist.



PlanetGameboy Nintendo gibt an, "die neuen Marktteilnehmer mit Interesse zu beobachten" . Wird Nintendo die Marktführerschaft im Handheld-Bereich auf lange Sicht hin behaupten können ?

Christoph Holowaty Das kommt auf die Definition des Handheld-Bereichs an. PSP verfügt ja bereits über spielfremde Funktionen, wie zum Beispiel der Möglichkeit, Filme und Musik abspielen zu können. Damit kann Sony Synergien mit Sony Music und Sony Pictures nutzen, die Nintendo unternehmensintern nicht zur Verfügung stehen. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass Sony eigens eine Filmbibliothek für PSP auf den Markt bringt und an andere Filmstudios Lizenzen vergibt. Nokia liefert mit dem N-Gage ebenfalls ein Zwitter-Gerät, das Spielekonsole, Telefon und Organizer vereinigt. Zudem bemühen sich Hersteller von PocketPCs um mehr Unterhaltungsinhalte. Allerdings gehört einiges an Fingerspitzengefühl dazu, dem Endverbraucher ein multifunktionales Gerät zu verkaufen, da jede Funktion im Grunde besser sein muss als bei anderen Endgeräten. Wenn es rein um ein Spiele-Handheld geht, hat Nintendo durch die enorme Erfahrung und das Softwareangebot in jedem Fall gute Karten, weiterhin lebensfähige Plattformen zur Verfügung zu stellen. Die Marktführerschaft ist sicherlich Definitionssache. Würde man alle portablen Endgeräte ungeachtet der Hauptfunktion zusammenfassen, ist Nintendo bereits jetzt nicht mehr Marktführer.

"Für Nintendo wäre es nicht sinnvoll [...] bereits Ende 2004 mit einem neuen Gerät auf den Markt zu kommen"


PlanetGameboy Der GBA erschien 2001, der GBA SP 2003. Sollte Nintendo als Reaktion auf Sonys PSP gleichzeitig Ende 2004 die nächste Gameboy-Generation veröffentlichen ?

Christoph Holowaty Dies kommt wieder darauf an, welche Funktionen PSP wirklich hat und welche Preisstellung vorgesehen ist. Ich gehe nicht davon aus, dass Nintendo mit einem multifunktionalen Gerät kontert, sondern sich weiterhin auf Spiele konzentriert. Zudem ist damit zu rechnen, dass sowohl der GBA als auch der GBA SP preislich weit unter dem PSP liegen wird und damit eine preissensible Zielgruppe angesprochen werden kann. Gelingt es in Zukunft, das Thema Connectivity weiter auszubauen, hat der GBA auf jeden Fall seine Existenzberechtigung. Für Nintendo wäre es kalkulatorisch vermutlich ohnehin nicht sinnvoll, bereits Ende 2004 mit einem neuen Gerät auf den Markt zu kommen, da man ebenso wie im Heimkonsolenbereich erst durch hohe Hardwareauslieferungszahlen rentabel produzieren kann.



PlanetGameboy Welche Trends sehen Sie im Bereich Handheld-Gaming für die kommenden Jahre ? Wollen die Leute tragbare Spielkonsolen oder "portable Entertainment", d.h. Spielkonsole, Mp3-Player etc. in einem Gerät ?

Christoph Holowaty Es war nie einfach, dem Endkunden ein multifunktionales Gerät zu verkaufen, da die einzelnen Funktionen vom Verbraucher in der Regel nicht als Summe der Funktionen, sondern einzeln beurteilt werden. Bei einem multifunktionalen Gerät muss man jedoch meist Kompromisse schließen, wie N-Gage zeigt. Handheld-Gaming wird daher in der Zukunft vermutlich von Geräten bestimmt werden, deren Hauptzweck für den Endkunden erkennbar das Spielen ist. Dass einzelne Zusatzfunktionen wie DVD-Movie-Fähigkeit durchaus seine Berechtigung haben, zeigt der große Erfolg der PS2. Ein "Alleskönner", der aber eben alles nur ein bißchen beherrscht, dürfte vom Verbraucher vermutlich nicht angenommen werden.



Wir bedanken uns bei Christoph Holowaty für die freundliche Unterstützung.


Das Interview führte Hendrik Jasnoch [Sonic]



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