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Die Lizenzenfalle

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Autor: Sagat

Kategorie: kolumnen
Umfang: 1 Seiten

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Game Boy Advance Artikel vom 07.12.2003

Die Lizenzenfalle



Die Weihnachtszeit naht und damit auch wieder die Gelegenheit, seinen Wunschzettel mit den Games vollzukritzeln, die man wirklich gerne mal spielen würde. Aber es gibt nicht nur solche Spiele. Auf dieser Erde existieren auch solche, die sich selbst einen mehr als traurigen Ruf geschaffen haben. Ihr wisst schon, die Art von Spielen, bei deren Erwähnung jeder rechtschaffene PlanetGameboy-Redakteur bald die Krätze kriegt und jeder halbwegs aufgeklärte Spieler schnurstracks hinter dem nächsten Zierstrauch Schutz sucht. Solche Spiele dürfen nicht auf die Wunschzettel, nein, Knecht Ruprecht persönlich sollte ihnen mit der Rute mal ordentlich eins draufgeben! Selbst ich scheue mich, den Namen dieser verunglückten, unwürdigen, erbärmlichen Spiele hier öffentlich auszusprechen, doch zu eurer Aufklärung will ich mich überwinden: in diesem Text gehe ich bis in die schmerzhaftesten Details der so genannten Lizenz-Versoftungen.



Wann fing das Elend eigentlich an? Ich sage euch, meine geduldigen Leser, die Geschichte der grottenschlechten Lizenzspiele ist schon so alt wie die Menschheit selbst. Naja, oder zumindest so alt wie die Spieleindustrie selbst. Schon früh dachten sich findige Entwickler, dass sie mit schnell auf den Markt geworfenen Mistspielen nur wegen ihres Namens Geld verdienen können. Denn Geld wird damit gemacht, wie sonst erklärt man sich, dass sich dieses fast schon eigenständige Genre so lange auf dem Markt halten konnte? Blicken wir zurück auf das allererste Beispiel. Als vor vielen, vielen Jahren das Ur-Spiel Pong herauskam, sprangen sogar damals schon lizenzgeile Geldmacher auf den fahrenden Zug auf und warfen Boris Becker Pong auf den Markt, eine höchst misslungene, fast unspielbare Variante dieses an sich schon primitiven Games.




Boris Becker Pong - die Anfänge...




An sich spricht ja wenig gegen den Gedanken, mit einer Lizenz, die man irgendwo erwirbt, ein Produkt auf den Markt zu bringen, das sich die naiven Käufer schon allein wegen der bekannten Aufschrift zulegen werden. Nur ist das bei Videospielen, und vor allem auf Nintendo-Systemen ungleich schmerzhafter, da die Module eben nicht so halbwegs billig sind wie ein Spirit-Der-Wilde-Mustang-Sweatshirt, das sich nach dem ersten Waschen in seine Bestandteile auflöst. Der Wert von Games liegt eben nicht nur im bloßen Besitzen, sondern auch im Spielspaß.



Nichtsdestotrotz geht es weiter und weiter, und demnach haben wir auch auf dem GBA mittlerweile einige handfeste Gurken zu verzeichnen, die nur mit dem Vorsatz, aus nichts Geld zu machen, geschaffen worden sind. Und das Schlimme: keine in der Realität noch so anständige Lizenz wurde bisher verschont. Die Trickfilmserie Sponge Bob, die tatsächlich streckenweise richtig witzig und kultig ist, wurde von THQ zu einem traurigen Machwerk verarbeitet; dieselben Hersteller machten aus der Star Wars-Lizenz (die tatsächlich sogar schon gute Spiele hervorgebracht hat) eine schlecht spielbare GBA-Version. Richtig viel Geld scheint sich aber mit der Lizenz des Trickfilmgiganten Walt Disney scheffeln zu lassen: die Liste der schlechtesten GBA-Spiele liest sich wie ein Who-is-who der knuddeligen Disneywelt. Da findet man Peter Pan neben Disneys sämtlichen Prinzessinnen, Mogli und der Schatzplanet schneiden ähnlich schlecht ab wie Mickey Mouse höchstselbst. Doch auch reale Personen und Persönlichkeiten geben sich für ein schauderhaftes GBA-Debüt her, so brach Britney Spears mit ihrem Dance Beat (zwar wohl nicht in den Verkaufszahlen, aber sehr wohl spielerisch) auf ganzer Linie ein und Fußballer David Beckham zeigte auf dem Handheld nur armseligste fußballerische Leistungen. Perverserweise werden GBA-Spiele auch benutzt, um reale andere Spieleprodukte zu promoten bzw. durch diese promotet zu werden. Bestes Beispiel ist die auf dem GBA völlig missglückte Lego Bionicle-Saga und die Bratz Dolls, die, auch wenn sie noch so trendig wirken, auf dem GBA eine nur noch läppische Show abzogen.





Oh Britney... wie konntest du nur?




Also warum, in Gottes Namen, wa-rum kaufen sich Menschen solche Spiele? Der gesunde Menschenverstand müsste einem doch eigentlich raten, ein solches Spiel höchstens einmal und dann nie wieder zu kaufen! Die Antwort, meine getreuen Leser, ist ein einziges Wort. ELTERN. So lieb und vor allem praktisch Eltern auch sind, von Videospielen haben sie meistens logischerweise herzlich wenig Ahnung. So kommt es zu derartigen schlimmen Zwischenfällen, wenn wohlmeinende Erziehungsberechtigte glauben, ihrem Söhnchen eine Freude zu machen, indem sie ihm ein Exemplar von Spirit-Der Wilde Mustang in die Hand drücken - bekanntlich das schlechteste GBA-Spiel aller Zeiten - und ihm damit ein gehöriges Trauma verpassen, wegen welchem er wahrscheinlich noch in dreißig Jahren auf dem Sofa eines Psychotherapeuten vor sich hinweinen wird wie ein Schulmädchen. "Pixelpferde...! Überall Pixelpferde!!"





Furchtbar huflahm: Spirit - der wilde Mustang



Aufklärung tut Not. Die Eltern wissen es einfach nicht besser. Daher geht meine Aufforderung an euch, meine ergebenen Leser, nehmt eure Eltern zur Seite und sagt ihnen diesen einen Satz: "Gameboy-Games gibt es zwar viele / doch niemals kauf' Lizenzenspiele!". Bringt ihnen diesen Satz bei, hämmert ihn ihnen ein, erklärt ihnen, es ist zu eurem und ihrem Besten. Niemals darf es diesen minderwertigen Stücken Software erlaubt werden, sich weiter zu verbreiten. Die Hersteller sollen sehen, was sie von ihrer Geldgier haben und ihrer Einstellung, nicht darauf achten zu müssen, was die Spieler wirklich wollen. Der Boykott ist das einzige Mittel, das uns bleibt; eine Klage wegen fahrlässiger Körperverletzung wäre zwar durchaus verständlich für Leute, die Spirit über den GBA-Schirm zucken sehen mussten, wird vor Gericht aller Voraussicht nach aber wohl nicht durchkommen. Wenn diese Games allerdings gar nicht mehr gekauft werden, werden die Entwickler gar nicht anders können, als ordentliche Spiele anzubieten, die wir dann natürlich umso lieber kaufen. Kurzum, alle sind zufrieden und uns PlanetGameboy-Redakteuren bleibt es erspart, euch, unsere wackeren Leser, vor solchen Antispielen zu warnen.





Also, haltet die Ohren steif, seid wachsam und informiert euch, bevor ihr wahllos ins Regal greift. Und - nicht zuletzt - eine erholsame Weihnachtszeit, möglichst ohne Lizenzenschlappen unter dem Weihnachtsbaum. Ich danke euch für die Aufmerksamkeit.



Christian Luscher - «Sagat»

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