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Games Convention 2003 - Was bleibt?

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Autor: Sagat

Kategorie: events
Umfang: 1 Seiten

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Game Boy Advance Artikel vom 06.09.2003






Games|Convention - was bleibt?


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Da geht sie hin, die Games|Convention (im folgenden GC genannt) in der Messestadt Leipzig (im folgenden L genannt). Zurück bleibt eine Reihe von Eindrücken, die verarbeitet werden müssen. Wenn ich zurückdenke, erinnere ich mich als erstes an das Bild von tausenden von Teenagern mit glasigen Augen und schweißnassen Händen, die sich in einer stickigen Messehalle um Gratis-T-Shirts fast die Köpfe einschlagen. Statussymbole und Mitbringsel - ein echtes Markenzeichen der Messe. Und bei manchen kann man gar nicht erklären, warum man eigentlich so scharf auf sie ist. Ich erinnere mich an Iceman, der sich vergeblich bemüht hat, beim Mario-Kart-Fahren am Nintendo-Stand zu gewinnen, um ein (an sich gar nicht mal so hübsches) Mario-Kart-Schlüsselband zu ergattern. Eine schlimme Sache, so was, aber illustriert wenigstens, dass selbst die über allem stehenden Planetgameboy-Redakteure von der Atmosphäre der Messe nicht verschont wurden.



Aber allein mit Atmosphäre verkaufen die Publisher keine Games und kriegen die Presseleute keine Artikel zustande. Daher ist ein anderes wichtiges Kennzeichen der GC was gewesen? Natürlich die Spiele, die an unzähligen Terminals überall zum Anzocken bereitstanden. Da gab es Zwölfjährige, die ratlos vor einem Eye Toy-Terminal standen, weil die Aufgaben schon dadurch gelöst wurden, dass hinter ihnen das Messepublikum vorbeiging, und, natürlich, die unvermeidlichen N-Gages, die scheinbar recht beliebt waren, wie erklärt es sich sonst, dass Trunx nach eigenen Angaben mit den Händen an einem schweißnassen N-Gage abgerutscht ist? Wuäääh.




Nokia allein war allgegenwärtig, und schon das Selbstbewusstsein, mit dem man per Truck und Hallo und Helau sein Gerät präsentierte, ließ einen gestandenen GBA-Veteranen anfangs tatsächlich bangen. Allerdings, wie sagt man so schön, Hunde, die bellen, beißen nicht, und so hielt auch die Gloria des N-Gage keinem zweiten Blick stand.

Wenn ein N-Gage so an seinem Terminal hängt, sieht er schon mächtig trendig aus. Die Probleme beginnen, wenn man bei seinem N-Gage versuchen will, das Spiel zu wechseln. Dazu muss man nämlich das Gerät regelrecht öffnen, um das Game, das in den Innereien des Apparats eingeklemmt ist, mit spitzen Fingern herauszuoperieren. Mit Sicherheit keine Aktion, die man mal schnell an einer Bushaltestelle machen kann und will. Und an der Bushaltestelle stehen, während man gegen andere Leute auf der ganzen Welt spielt - dieses Bild ist der Traum jedes Nokia-Entwicklers und wird schon fleißig propagiert. Dass das Heil bringende Online-Gaming die erste Zeit gar nicht verfügbar sein und wenn, dann ordentlich teuer werden wird, darüber wird verschämt der Mantel des Schweigens gehüllt. Schließlich hat man ein ganzes Jahr Vorsprung vor der PSP, und das soll einem mal einer nachmachen. Dass das Gerät allerdings schon nach dem einen Jahr sowohl Handy-technisch als auch von den Games her hoffnungslos veraltet sein wird.... Schweigen.

Bleiben die N-Gage-Games, unter denen solche Perlen wie Tony Hawk, Rayman und Tomb Raider zu finden sind. Ich will mich nicht zu lange damit aufhalten, aber wirklich überzeugen konnte keins. Um mich kurz zu fassen - Tony Hawk hatte einen bombastischen Soundtrack (den man mangels Lautstärkeregler am Gerät nur im Spiel leiser stellen konnte), aber herbe Mankos in der Steuerung, bei Rayman gab es Scrolling-Fehler, die selbst die GBA-Version nicht hatte, und bei Tomb Raider begann Lara auf Knopfdruck zu rennen, und zu rennen, und zu rennen, ohne aufzuhören. Da konnte es schon mal sein, dass sie sich hoffnungslos zwischen drei verpixelten Kisten verkeilte und man sie etwa so elegant herausmanövrieren musste wie einen Kleinlaster aus einer Parklücke.

In einem Satz gesagt: die Fähigkeiten des N-Gage sorgten bei Nokia-Befürwortern für lange Gesichter und bei Leuten, die den N-Gage sowieso schon hassten, nur für Mitleid. Einerseits ist diese anstehende Blamage durchaus bedauernswert für die Firma, andererseits kann ein Nintendo-Anhänger ein erleichtertes Seufzen nicht unterdrücken. Wieder eine Firma, die dem schwächelnden Nintendo nicht das Wasser reichen kann , wodurch man zumindest die Illusion von Unbesiegbarkeit bekommt.




Der Stand des anderen Handheld-Nebenbuhlers, des GP32, war verhältnismäßig abgelegen. Die Spiele konnten einen nicht wirklich vom Hocker reißen, aber da die Stärke des Gerätes sowieso die zahlreichen Zusatz- und Emufähigkeiten sein sollen, muss das nichts heißen. Vielleicht war hier auch die Präsentation unpassend. Man hätte sich eher auf die Darstellung eben dieser Fähigkeiten stützen sollen, denn von den Spielen her kommt eben keiner gegen Nintendo an...



...sage ich so leichtfertig und werfe einen unbehaglichen Blick in Richtung Nintendo-Stand. Dieser steht in der Mitte des Messegeländes und ist deshalb auch immer gut besucht. Auf Bänken sitzen Kiddies, die T-Shirts mit der Aufschrift Nintendo Game Tester tragen und GBA sp "testen". Dazu mussten sie oder ihre Eltern bzw. größeren Geschwister zuerst einen mehrseitigen Vertrag unterschreiben und ihren Ausweis abgeben. Nintendo-Bürokratie auf erschreckendem Niveau, was allerdings nichts daran änderte, dass dieses Feature von den Besuchern trotzdem stark frequentiert wurde.

In einer anderen Ecke sitzen vier Kinder (und ab und an auch ein Planetgameboy-Redakteur) in kleinen Kart-Autos und versuchen, in dem Cube-Game Mario Kart Double Dash die vorhin schon erwähnten Schlüsselbänder zu gewinnen, die irgend etwas unglaublich Kultiges an sich haben müssen, was mir aber irgendwie entgangen sein muss.



Kultig versuchte auch Nintendo zu sein, nur schaffte man es vermutlich nicht mit den zwei verschiedenen Gute-Laune-Metal-Stücken, die in einer Endlosschleife am Stand vor sich hin dudelten. Viel auffälliger war, dass die vorher noch in Werbung und Presse gepriesenen Pokémon nur eine Nebenrolle einnahmen und Nintendo ihre Terminals geradezu verschämt am Rand plaziert hatte. Das einzige, was man ab und an von Pokémon zu sehen bekam, waren Schnipsel des Pokémon Colosseum-Spiels, die in Sekundenbruchteilen im Messevideo flimmerten. Das war sicher auch für den schlimmsten Pokémon-Hasser noch erträglich, aber bezeichnend für das Zickzack-Zielgruppenverhalten Nintendos. Erst versucht man, mit einer Pokémon-Tour und Werbe-Zudröhnungen so viele Kinder wie möglich scharf auf Pokémon zu machen, dann vernachlässigt man diese, um auf der Messe eine komplett andere Zielgruppe anzusprechen (ihr wisst schon - die, die Verträge ausfüllen kann und Ausweise hat - also schonmal gar nicht die Pokémon-Zielgruppe) und verzichtet dabei fast völlig auf die Präsentation der Taschenmonster.

In diese Situation hat sich Nintendo selbst manövriert, und es ist das gleiche Problem, das so manche politische Parteien haben - man hat es geschafft, so viele Menschen wie möglich zu erreichen, doch sobald man versucht, etwas Fortschrittliches oder auch nur irgendeine Bewegung in irgendeine Richtung zu machen, schreien an der anderen Seite die Interessengruppen auf, sie seien zu kurz gekommen. Einerseits wehrt sich Nintendo gegen das beschränkende Kiddie-Image, andererseits braucht man es, da die Firma mit den Pokémon riesige und mittlerweile unverzichtbare Gewinnsummen einfährt. Man darf gespannt sein, wie Nintendo in Zukunft diese beiden widerstreitenden Interessen unter einen Hut bringen will.





Über das Spieleaufgebot haben wir ja schon in diversen Hands-on's berichtet, daher seien hier nur der Vollständigkeit halber genannt: die offensichtlich recht unterhaltsame Besenreiter-Simulation Harry Potter - Quidditch World Cup, der ultraschwere Capcom-Kracher Megaman Zero 2, die drollige Filmumsetzung Finding Nemo, endlich eine deutsche Version von Banjo-Kazooie, die positive Überraschung Mario & Luigi und das Ich-will-es-haben-sofort-sofort-sofort-Spiel Final Fantasy Tactics Advance.

Das für den GBA originellste Spiel war paradoxerweise ein Remake, wie es angestaubter nicht mehr sein kann, nämlich Pac Man, das auch bei der Nintendo-Show mit den Moderatoren Wie-heißt-er-doch-gleich von Giga und Wie-war-der-Name-nochmal von Viva ordentlich angespielt wurde. Als ich die obligatorischen Geister und den immer noch ziemlich hässlichen Dropsfresser über den Bildschirm wandern sah und gleichzeitig erkannte, wie viel Spaß die Leute damit hatten, fühlte ich mich an eine Rede des Nintendo-Bosses Satoru Iwata erinnert, der sagte, in Zukunft wolle man bei Nintendo die Spiele nicht immer komplizierter machen, sondern sie im Gegenteil immer weiter vereinfachen. Und, so gerne ich solche Partyspiele mag - für einen Moment machte mir diese Prophezeihung Angst.




Komisch eigentlich, warum wir Nintendo-Fans so emotional mit der Zukunft der Firma umgehen. Wird ein Spiel ein Hit, freut man sich entweder für Nintendo, oder man hasst das Spiel und äußert das auch. Gleichgültigkeit gibt es nicht, genauso wenig wie im "Richtungsstreit" um die Zukunft Nintendos. Vermutlich ist das so, weil es von einem Menschen schon sehr, sehr viel Verständnis erfordert, Nintendo-Anhänger zu sein. Natürlich bekommt man dafür seinen Lohn, warum sollte man es sonst machen. Aber Nintendo-Fan zu sein, ist schon fast eine religiöse Angelegenheit.



Die Frage, was bleibt, lässt sich nicht beantworten, wenn man nicht weiß, was verschwindet und was nie da gewesen ist. Das, was verschwindet, ist eindeutig der N-Gage, denn, so gnädig Spieler sein können (siehe Nintendo), schlechte Games und unkomfortables Handling werden sie nicht durchgehen lassen. Stellt sich dann die Frage, was nie da gewesen ist. Und darauf gibt es eine sehr traurige Antwort: Boktai. Auf den Konami-Releaselisten angekündigt, ließ man diese prächtige Gelegenheit verstreichen dieses wegweisende Spiel der Öffentlichkeit vorzustellen. Denn wegweisende Games gab es für den GBA auf dieser Messe eigentlich gar nicht.






Und - um nach der Games|Convention die Frage kurz und bündig zu beantworten: Was bleibt? Nintendo bleibt. Und zwar auf dem alten Kurs. Wie lange es so bleibt? Spätestens, bis die PSP näherrückt. Und das wird die erste wirklich große Herausforderung für Nintendo auf dem Handheld-Markt. Ich bin schon sehr gespannt, wie dann das Messeaufgebot Nintendos aussehen wird...



Chris|Sagat
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