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Der alte Mann und sein GBA

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Autor: Christian Luscher

Kategorie: kolumnen
Umfang: 1 Seiten

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Game Boy Advance Artikel vom 05.03.2005



Der alte Mann und sein GBA
Diese Geschichte zeigt den erschröcklichen Niedergang eines armen, alten Mannes, nämlich mir, der innerhalb von tausend Worten vom Spielspaß-Puristen zum Grafik-Fetischisten wird, und zwar einzig und allein mit Hilfe eines Wormlights und eines Döner Kebaps. Eine beunruhigende Studie über den unaufhaltsamen Niedergang der Videospielkultur, die uns alle betrifft, denn in gar nicht mehr so langer... okayokay, ich bin ja schon still.





"Guck dir mal den an, der spielt noch GBA!" - "Hey, Opa! Die Steinzeit ist schon lange vorbei!"

Ja, ganz recht. Ich spiele noch GBA. Und nicht etwa SP, sondern den alten, originalen GBA. Aber ist das ein Grund, sich auf der Straße von vierzehnjährigen Kiddies dumm anmachen zu lassen?

"Ihr Grünschnäbel", krächze ich mit brechender Stimme, "wisst doch gar nicht, wie es in der Welt aussieht! Ich habe schon gelebt, als man mit dem Gameboy noch einen ausgewachsenen Mammut erschlagen konnte! Aber ihr mit eurer neumodischen PPS wisst doch gar nicht, wo es langgeht!"

"PSP heißt es, Alterchen! Und jetzt geh schön zurück in deinen Schaukelstuhl!"
"PSP, Pipifax! Ihr, die ihr noch nicht trocken hinter den Ohren seid, wollt mir erzählen, was ich spielen soll? Ihr habt vergessen, dass es aufs Spielen ankommt, nicht auf irgendein modernes glänzendes Ding, das gleich beim ersten Runterschmeißen in tausend Stücke zerspringt!"

"Ja, red du man, Väterchen!"

"Ich bin weder ein Väterchen, noch ein Opa, noch sonstwas! Ich bin...nunja." Ich schaue ratlos meinen mitgenommenen, verschlissenen GBA an und fasse mich. "Wenn ich so alt wäre wie ihr, würde ich es mit zwei Dutzend von euch aufnehmen, pafpaf!"

Lachend lassen die Kinder mich stehen und meine Gelenke beginnen zu schmerzen. Es wird Regen geben. Langsam wird mir bewusst, dass ich der knallbunten Klempner- und Äffchenwelt vielleicht doch schon entwachsen bin...


Gibt es eigentlich noch etwas im Spieleuniversum, das ich noch nicht gesehen habe? Ich habe ganze Planeten von Ungeheuern bereinigt, in zahlreichen Minispielchen meine Geschicklichkeit unter Beweis gestellt, habe unzähligen Jungfrauen das Leben gerettet, ja, bin mit einigen von ihnen sogar zünftig ins Bett gestiegen (wenn auch in Spielen, von denen diese Grünschnäbel hoffentlich nichts wissen, ahem), ich habe Freude, Leid, Angst, Last und Lust der Videospiele in mich aufgenommen. Die Frage ist, was kommt jetzt? Ist das Leben irgendwie an mir vorbeigezogen? Oder warum kann mich keine noch so aufgemotzte Neuversion eines schon lange bis zum Überdruss niedergezockten Games hinter dem Ofen vorlocken? Bin ich vielleicht... *schauder* ... abgestumpft? Oder einfach nur alt? Jaja, ich gebe zu, in meinen alten Tagen macht es mir nur Spaß, auf meinem ollen Gameboy Advance herumzudaddeln, diese neuen Strömungen lassen mich völlig kalt. Natürlich hat dieses Gerät ein paar Macken, zum Beispiel die fehlende Hintergrundbeleuchtung, aber wenn einem das Zocken peinlich wird, wo ist die Welt hingeraten? Nun, ich muss zugeben, es ist mir mittlerweile peinlich. Und wenn man einmal solche Gefühle hat, lassen sie einen nicht mehr los! Mein geradezu biblisches Alter von 23 Jahren, dann diese Aura, die mein treuer GBA und ich ausstrahlen, als hätten wir jahrelang hinterm Mond gelebt, trieben mich zum Äußersten. Ich... ich... naja, ich... kaufte mir einen Döner.


Nun ist es keine Todsünde, einen Döner zu kaufen; Döner schmecken gut, ohne Zweifel, aber wenn man einen kauft, um sein brüchiges Altherren-Selbstwertgefühl zu schützen, mag das einigen Uneingeweihten vielleicht etwas schäbig vorkommen. Aber lest selbst.

Ich vollzog also das uralte Ritual des Dönerkaufens, dessen Text im ganzen Universum (naja, wohl zumindest in Deutschland) immer der gleiche ist, ja, sein muss. Ich sprach: "Einen Döner, bitte.", und konnte die Antwort des Dönerfritzen schon im Geiste mitsprechen. Natürlich erwiderte er, der diesen Text schon so oft gesagt haben musste, dass er ihm fast auf der Stirn geschrieben stand, die alten, mystischen Worte: "Mit alles?" - Mit alles. Dieser Satz ließ mir einen Schauer der Ehrfurcht vor dieser altehrwürdigen Zeremonie über den Rücken laufen, da ich drauf und dran war, das Sakrileg zu wagen - ich brach das magische Ritual, indem ich sagte: "Nein, bitte nur Salat ohne Soße und Fladenbrot." Einen Moment war Stille, der Dönerverkäufer schaute mich an, als hätte ich ihm ins Gesicht gesagt, der Mond bestehe aus schmackhaftem Schafskäse. "Salat und Brot?", fragte er mich irritiert. "Ganz recht, guter Mann!", sprach ich freundlich. Die Augen des wackren Händlers verengten sich: "Kost aber genau!" - "Wissen Sie was, ich lege sogar noch fünfzig Cent drauf!", lachte ich jovial.


So kam es, dass ich mit einem Fladenbrot, in dem zwei runzlige Salatblätter steckten, in eine Nebengasse schlich, um mein teuflisches Werk zu vollenden. Während ich mit krummem Rücken mein Tun vor neugierigen Blicken schützte, packte ich meinen GBA aus und versenkte ihn vorsichtig in dem Brot, sodass der Bildschirm nach oben zeigte und ich unauffällig ins Brot an beide Knöpfe fassen konnte. Dabei lachte ich irre in mich hinein, wie das eben so die Art von alten Männern ist, die teuflische Pläne aushecken. Nun konnte ich, man lese und staune, in der Öffentlichkeit GBA spielen, ohne die höhnischen Blicke neumodischer PSP-Kiddies auf mich zu ziehen! Mwahaha! Was war ich für ein Genie! - Dachte ich.

Als ich routiniert in den Salat griff, um das Gerät einzuschalten, bemerkte ich aber meinen Denkfehler. Natürlich. Diese verdammte fehlende Hintergrundbeleuchtung! Seufzend wühlte ich den oberen Teil des GBA aus dem Salat und steckte mein treues Wormlight ein - was sich als ein fataler Fehler erweisen sollte. Ich tarnte es mühsam mit dem hutzligen Gemüse und trat auf die Straße hinaus. Natürlich, Spielkomfort ist anders, doch wenigstens schaute mich niemand an... beziehungsweise dachten die vielen Leute, die mich dennoch anschauten, dass sie es eben mit einem Irren zu tun hatten, der minutenlang krampfhaft in seinen Dönerfladen starrte und wahnsinnig in sich hineinkicherte. Ich setzte mich auf eine Parkbank und spielte, scheinbar unbemerkt, Advance Wars, immer noch mit einem wirren Grinsen auf dem Gesicht. Das PSP-Kiddie, das sich mir von hinten mit seinem Freund annäherte, bemerkte ich nicht. Die beiden feixten sich verschwörerisch zu, dann haute mir einer der beiden mit voller Wucht auf den Rücken: "Na, Oppa, wieder kräftig am Zocken?"





Was nun folgt, lässt sich kaum beschreiben, geschweige denn, irgendwie rational erklären. Von dem überraschenden Schlag ruckte mein Oberkörper kurz nach vorn, mein Gesicht wurde in den Döner gedrückt, und dieses verfluchte Wormlight - ach, hätte ich auf den Verris auf PlanetGameboy.de gehört! - hakte sich, und jetzt kommts, unter meinem Augenlid fest. Stellt euch das mal vor! Ich sprang natürlich auf, ließ den Kebap fallen und fuchtelte, vor Schmerzen schreiend, mit den Armen in der Luft herum. Nun stellt euch mal das Bild vor. Ein halbwegs erwachsener Mensch springt in einem öffentlichen Park schreiend auf der Stelle wie Rumpelstilzchen, während ihm ein antiker GBA an seinem Wormlight im Auge verhakt ist. Grausige Vorstellung? Auf jeden Fall.

Aber was machten die PSP-Kiddies? Halfen sie mir? Natürlich nicht! Da sage noch jemand, diese neuen Videospiele fördern kein antisoziales Verhalten! Ja, diese Früchtchen lachten sogar noch über mich! Sie sagten: "Leute, schaut her, das passiert, wenn man..." und so weiter. Und die Leute sammelten sich um mich (natürlich half mir keiner) und kringelten sich vor Lachen. Und ich rief mit Schaum vor dem Mund Worte wie: "Ihr werdet euch noch wundern, wenn erst Bowser kommt! ... Wenn das Yamauchi wüsste!" etc. pp.






Der Rest ist schnell erzählt, irgendwann schaffte ich es, das Wormlight aus meinem Auge zu befreien, bleibende Schäden waren glücklicherweise nicht entstanden - zumindest keine physischer Natur. Ich zehre seitdem von einem Vorteil, den man nur mit Handheld-Konsolen hat - man kann sie auch sehr gut spielen, wenn man auf dem Klo eingeschlossen sitzt. Und da hocke ich dann sehr oft und schmiede düstere Rachepläne. "Wartet, bis ich mir einen Nintendo DS kaufe! Hintergrundbeleuchtung! Ohne Wormlight! Und soo trendiges Design! Und die Grafik - hohoho!" und so weiter. Jawohl, ich werde mir einen DS kaufen und es den Leuten mal so richtig zeigen. Was ich mir für Spiele besorge? Keine Ahnung, ist mir auch egal, Hauptsache, sie haben voll gute Grafik, damit ich es diesen PSP-Kiddies mal so richtig zeige! Mwahahahaaaa!

Christian Luscher für PlanetGameboy.de
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